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Im Revier arbeiten jetzt fünf Hersteller von Armaturen zusammen

Gemeinsam zu neuer Stärke

Bild: Teamwork
Teamwork: Klaus
Janoschka (links) und Wolfram Schmidt setzen das Gehäuse einer Armatur auf die
Drehmaschine. Foto: Wirtz

Bochum. Keine Riefen vom Schleifen? Im Licht der kleinen Taschenlampe prüft Fabian Bohne die makellos glänzende Oberfläche eines Kegelsitzes. Das Bauteil dient dazu, im Notfall den Durchfluss von Gas oder Dampf in einem Ventil sofort zu stoppen. Bohne ist Industriemechaniker bei Bomafa in
Bochum, einem Betrieb mit 104 Mitarbeitern, der Hochdruck-Regelarmaturen für Dampf-Turbinen und Kessel herstellt.

„Vier gleiche Armaturen sind für uns schon eine Serie. Wir sind ein klassischer Nischenanbieter“, sagt Firmeninhaber Friedrich Appelberg. Aber einer, der auf dem Weltmarkt agiert. In Brasilien, Indien und China werden derzeit zahlreiche Kraftwerke gebaut. Und der Bedarf an Regelarmaturen ist groß. Da kann ein kleiner Spezialist schon mal an seine Grenzen stoßen. Deshalb haben sich die Bochumer Verbündete gesucht.

Bild: Firmeninhaber Friedrich Appelberg
Firmeninhaber Friedrich Appelberg: „Alleine kann ein kleiner Nischenanbieter schnell an seine Grenzen kommen.“ Foto: Wirtz

Netzwerk ist in der Branche einzigartig

Im Sommer letzten Jahres haben sich fünf Armaturenhersteller aus dem Revier zusammengetan: zum Netzwerk Armaturenkompetenz Ruhr. Ihre Produktpaletten ergänzen sich: So können sie Lösungen aus einer Hand anbieten. „Dennoch bleiben wir selbstständig und behalten unsere Flexibilität“, sagt Appelberg.

Die beteiligten Hersteller Böhmer, Herberholz, Klaus Union, Zwick Armaturen und Bomafa sind alle Familienunternehmen, sitzen nicht weit voneinander weg, bilden aus und haben oft die gleichen Kunden.

Bild: Dickes Ding
Dickes Ding: Konstantino Karanikolaou (links) und Andreas Nowak prüfen einen Gehäuse-
Rohling. Foto: Wirtz

Gemeinsam die Produkte vermarkten, vielleicht gar als Einkaufsgemeinschaft bessere Preise aushandeln und die Lieferantenqualität kontrollieren – das ist nahe liegend.

Doch die Zusammenarbeit der fünf ist in der Branche einzigartig und auch sonst als Idee nicht sehr verbreitet, sagt Martin Piasecki, stellvertretender Vorsitzender des Netzwerks und bei Bomafa für Marketing und Unternehmensentwicklung zuständig: „Wenn etwa Aufträge für Dampfturbinen ausgeschrieben werden und neben unseren Armaturen weitere benötigt werden, geben wir die Information an die Partner weiter.“

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Wichtiger Job: Der Schlosser Klaus Dreßen setzt ein Sicherheitsteil ins Ventil ein. Foto: Wirtz

„Eine Firma kann nicht alle Bereiche abdecken, deshalb muss man wissen, was die anderen produzieren“, ergänzt Andreas Wodara, Vertriebsleiter bei Herberholz.

Der 25-Mann-Betrieb aus Ennepetal ist auf Absperr- und Drosselklappen für Niederdruckanwendungen spezialisiert. Damit rüstet er beispielsweise die Turbinen von Stahlwerken und Mega-Yachten aus.

Herberholz hat schon von der Zusammenarbeit profitiert: Das kleine Unternehmen war bislang nie auf Messen präsent – zu aufwendig. Mit einem gemeinsamen Messestand konnte man viele Interessenten anlocken.

Bild: Taschenlampen-Test
Taschenlampen-Test: Fabian Bohne kontrolliert die Oberfläche eines Kegelsitzes. Der muss im Notfall das Ventil sofort schließen. Foto: Wirtz

Jetzt haben die fünf Indien im Visier

Den Firmen Klaus Union und Zwick hat die Kooperation sogar einen Großauftrag von einer rumänischen Raffinerie beschert. „Allein mit unseren Schiebern und Ventilen hätten wir ihn nicht bekommen“, ist sich Mike Blasberg von Klaus Union sicher: „Doch im Paket mit den Absperrklappen von Zwick kriegten wir ihn sofort.“

Auch in Sachen Nachwuchs arbeitet das Netzwerk zusammen. So hat es ein Stipendium an einen gebürtigen Nepalesen vergeben, der an der Uni Duisburg-Essen Maschinenbau studiert. Piasecki: „Wir wollen zeigen, dass auch der Mittelstand interessante Jobs zu bieten hat.“ Der Stipendiat wird sich alle Betriebe reihum anschauen können.

Bild: Martin Piasecki
Netzwerker: „Die Zusammenarbeit ist in der Branche einzigartig“, sagt Marketing-Mann Martin Piasecki. Foto: Wirtz

Warum ein Nepalese? Weil die Firmen auf dem indischen Markt Fuß fassen wollen – und Nepal liegt ja direkt neben Indien. Appelberg: „Jemanden, der sich in der Region auskennt, können wir gut gebrauchen.“

Matilda Jordanova-Duda

Info: Netzwerk Armaturenkompetenz Ruhr

Dahinter stecken fünf Firmen mit insgesamt rund 900 Mitarbeitern, 7 nationalen und 16 ausländischen Standorten. Mit ihren Ventilen, Schiebern, Klappen und Kugelhähnen bieten sie eine umfassende Produktpalette für Industrie-Armaturen an. Die kommen in Kraft- und Stahlwerken, Raffinerien, Pipelines, in der Auto-Industrie sowie im Anlagen- und Schiffsbau zum Einsatz. www.armaturenkompetenz-ruhr.de