Um an der Spitze zu bleiben, muss die Metall- und Elektro-Industrie noch mehr für Forschung und Entwicklung ausgeben
Der Kampf wird härter
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| Sebastian Vettel in Führung: In der Formel 1 zeigt der deutsche Fahrer der internationalen Konkurrenz, was eine Harke ist. Ähnlich klar schaffen das auch viele unserer Industrie-Betriebe. Foto: afp |
Rosenheim/Leer. In der Wirtschaft ist es wie im Sport: Um an die Spitze zu kommen, muss man sich mächtig anstrengen. Aber noch schwieriger ist es dann, einen Spitzenplatz zu verteidigen?...
Professor Anton Kathrein kennt diesen Erfolgsdruck gut. Er ist mit seinem Unternehmen Weltmarktführer für Antennen-Systemtechnik, allein in Deutschland gibt die Firma fast 4.300 Menschen Arbeit. Kathrein sagt klar: „Um die Nummer eins zu bleiben, müssen wir jeden Tag kämpfen. Und das ist wesentlich härter als früher.“
Ausland holt mächtig auf
Dafür gibt es in erster Linie zwei Gründe, so der Chef der Kathrein-Werke im bayerischen Rosenheim: zum einen die wachsende Konkurrenz, vor allem in Asien. Zum anderen hat sich das Innovationstempo enorm verschärft.
„Wer da nicht Schritt hält, verschwindet vom Markt“, warnt der Unternehmer. Er erklärt das am Beispiel Mobilfunk: Alte Standards (das C- und D-Netz) gab es 10 bis 15 Jahre lang – neue (wie UMTS) kaum halb so lange. „Und es wird immer noch schneller.“ Daher wird mehr Geld für Innovationen nötig: Vor 20 Jahren genügten Kathrein für Forschung und Entwicklung noch Ausgaben in Höhe von 2 bis 3 Prozent des Jahresumsatzes – „inzwischen sind es aber 6 bis 7 Prozent“.
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| Professor Anton Kathrein: „Wer nicht Schritt hält,verschwindet vom Markt.“ Foto: Schulz |
Keine Ausnahme, wie Oliver Koppel weiß. Der Ökonom vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat Statistiken des Europäischen Patentamts ausgewertet – und festgestellt: Das Ausland holt mächtig auf, selbst in Sachen Elektrotechnik.
Dazu kommt: „Die Menge der erteilten Schutzrechte wächst sogar schneller als der technologische Fortschritt an sich“, sagt der IW-Forscher, „auch in den Nischenmärkten wird der Bewegungsspielraum also immer kleiner.“
Es geht um die Wettbewerbsfähigkeit
Die Metall- und Elektro-Industrie habe darauf aber in den letzten Jahren genau richtig reagiert: „Die ganze Branche hat ihre Innovationsaufwendungen kräftig erhöht.“ Ausruhen dürfe man sich aber nicht: „Forschung und Entwicklung müssen weiterhin höchste Priorität haben – das ist von elementarer Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit.“
Mehr Geld für zukunftssichernde Neuerungen locker zu machen – das ist gar nicht so einfach, wenn es auch an anderen Fronten härter zur Sache geht als früher.
- Energie – Die Betriebe müssen für Strom und Gas mehr zahlen als die meisten ausländischen Konkurrenten. Folkmar Ukena, Geschäftsführer des Ofenbauers Leda (170 Mitarbeiter) im ostfriesischen Leer: „Die seit Jahren steigenden Energiekosten machen uns schwer zu schaffen – trotz zahlreicher Modernisierungsmaßnahmen. Und wenn die Prognosen stimmen, wird der Zuschlag für die erneuerbaren Energien weiter steigen – das ist dann kaum noch finanzierbar und schwächt unsere Wettbewerbsfähigkeit erheblich.“
- Rohstoffe – Die im ersten Halbjahr 2011 stark gestiegenen Preise kann selbst ein Gigant wie Bosch (114.000 Beschäftigte in Deutschland) „über Sicherungsgeschäfte nur teilweise kompensieren“, so Bosch-Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer zur „Börsen-Zeitung“. Seine Prognose: „Der aus den Schwellenländern getriebene Trend steigender Preise wird uns erhalten bleiben.“
- Fachkräfte – Zurück nach Rosenheim, wo Professor Kathrein in die Zukunft seiner Firma investieren möchte, es aber nicht so ohne Weiteres kann: „Für Forschung und Entwicklung suche ich schon seit einiger Zeit 60 Ingenieure und Techniker“, sagt er. Lasse sich diese Lücke hier nicht bald schließen, sei er gezwungen, solche Aufgaben zu verlagern.
CvF/Hof/JH/SGS
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