Der Türsystem-Hersteller Dorma setzt auf Weiterbildung – nach Maß
Lust auf Karriere? Hier ist
der Weg frei
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Tür-Öffner: Personalchef Michael Ecker hat bisher jeden Weiterbildungswunsch erfüllt.
Fotos: Wirtz (3),
picture-alliance/ ZB |
So richtig Feierabend hat Miguel Almirall selten: Nach der Arbeit fährt er dreimal die Woche zur Fachhochschule Bochum. Und das schon seit vier Jahren. Noch ein paar Monate, dann hat er endlich sein Zertifikat als Maschinenbautechniker in der Tasche.
„Die Familie leidet darunter“, sagt Almirall. Aber beruflich hat sich die Anstrengung schon ausgezahlt: Vor kurzem hat der Mechaniker aus der Fertigung ins Controlling gewechselt. Almirall arbeitet bei Dorma, einem Systemanbieter rund um die Tür. Und hier rechnet er nun die Kosten für frisch entwickelte Produkte durch, wie etwa neue Türschließer oder -antriebe. Dafür muss er sich mit technischen Details auskennen. Die Fortbildung hilft ihm dabei.
Fortbildung – keine Frage des Alters
Das Beispiel zeigt: Wer bereit ist, dazuzulernen und sich einzubringen, kommt beruflich weiter. Kann Karriere machen und mehr verdienen.
Bei Dorma jedenfalls stehen die Türen weit offen. Doch Hochglanz-Broschüren mit Weiterbildungsprogrammen sucht man hier vergebens. Die Firma aus Ennepetal im südlichen Ruhrgebiet investiert dennoch – nach Maß. Dieses Konzept hat Dorma gleich mehrere Auszeichnungen als Top-Arbeitgeber eingebracht. Wer was lernt, hängt von jedem Einzelnen ab, sagt Personalchef Michael Ecker. Mindestens einmal im Jahr redet jeder Mitarbeiter mit seinem Vorgesetzten. Manch einer will in eine andere Abteilung wechseln, mehr Geld verdienen oder ein Team leiten. „Bisher haben wir jeden vernünftigen Wunsch erfüllt“, versichert Ecker. Der Arbeitgeber hilft, Bildungseinrichtungen zu finden, übernimmt die Kosten ganz oder teilweise und stellt Prüflinge frei.
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| Beruflich weitergekommen: Miguel Almirall rechnet nun die Kosten für Neuentwicklungen durch. |
Bei Dorma ist Weiterbildung keine Frage des Alters. „Die über 50-Jährigen machen zwar kein Studium mehr, aber einen Computerkurs oder eine Führungskräfteschulung sehr wohl“, so Ecker.
Beispiel: Früher waren MaterialBestellungen per Computer allein Aufgabe des Meisters. Seit Einführung der Gruppenarbeit erledigen die Arbeiter das selbstständig, auch die altgedienten Anlagenführer.
„Derzeit läuft unsere größte Weiterbildungsaktion der letzten Jahre“, sagt Simone Bode, verantwortlich für die deutschen Werke. Die Maßnahme betrifft die Einführung der „schlanken Produktion“.
Viele der rund 2.700 Mitarbeiter an den deutschen Standorten machen mit. Nach dem Theorie-Unterricht schotten sich Teams aus Ingenieuren, Maschinenführern und Controllern eine Woche lang ab, reißen eine Fertigungslinie auseinander, um sie nach dem neuen System wieder zusammenzustellen. Dabei lernen sie voneinander. Einem Einkäufer fiel etwa auf, dass sich Metallfedern beim Auspacken oft verhaken. Dieses Problem will er nun mit dem Lieferanten lösen.
Raus aus der Akkord-Mühle
Voneinander lernen lässt sich auch von Kollegen im Ausland. So tauschen Firmenangehörige in ähnlicher Funktion für ein paar Wochen ihre Arbeitsplätze: Dann wickelt der deutsche Kollege Aufträge in Dubai ab, lässt Kataloge in Sydney drucken – oder montiert Türen im chinesischen Suzhou nahe Schanghai.
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| Ich bin dann mal eben weg: Martin Knepper (unten rechts im Gespräch mit einem Kollegen) ist dienstlich öfters mal im chinesischen Suzhou. |
Auch Martin Knepper profitiert davon, der seit drei Jahren immer wieder nach China fliegt. Der Industriemeister hat bei der Tochtergesellschaft in Suzhou die Fertigung mit aufgebaut. Englisch paukte
er abends in der Volkshochschule.
Vor fast 25 Jahren hat Knepper bei Dorma angefangen: damals noch im Akkord. Das wollte der junge Mann mit Hauptschulabschluss nicht ewig machen. So holte er mit Unterstützung des Arbeitgebers das Fachabitur nach, machte die Meisterprüfung und belegte Lehrgänge in Robotertechnik. Jetzt als Meister in der Gehäusefertigung unterstehen ihm bis zu 90 Leute.
Knepper lernt weiter: diesmal in Trainings für Führungskräfte. „Ich möchte kein alter Meister sein“, sagt der 47-Jährige, „sondern ein junger wenigstens geistig.“
Matilda Jordanova-Duda
Info: Dorma-Gruppe
Dorma mit Sitz in Ennepetal gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Türschließern, Türantrieben, Glas- und Sicherheitsbeschlägen sowie Raumtrennsystemen. Die Firmen-Gruppe hat 71 Tochtergesellschaften in 46 Ländern mit insgesamt 7.000 Mitarbeitern (Deutschland: 2.700 Beschäftigte). Dorma setzte im Geschäftsjahr 2007/2008 (Stichtag: 30. Juni) 894 Millionen Euro um. |