Jetzt müssen wir alle
Register ziehen
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| Joachim
Schmidt-Classen zur Frage, wie wir
die Krise meistern
können |
Die Hoffnung, im Zuge der weltweiten Finanzkrise werde es für die Realwirtschaft schon nicht so schlimm kommen, hat getrogen. Stattdessen haben außerordentliche Auftragseinbrüche, ein
in dieser Höhe nicht erwarteter Rückgang des Bruttoinlandsprodukts und die rasant gestiegenen Kurzarbeiterzahlen zu der bitteren Erkenntnis geführt, dass auch Deutschland von einer tiefgreifenden Rezession betroffen sein wird.
Wie stark der Wirtschaftsabschwung jedoch letztlich ausfallen und wie lange er dauern wird, weiß im Augenblick niemand. Geht das Bruttoinlandsprodukt, also der Wert aller erzeugten Waren und erbrachten Dienstleistungen, in diesem Jahr „nur“ um 2 Prozent – oder gar um 3 Prozent zurück? Alle Zahlen, die derzeit nahezu täglich verbreitet werden, sind rein spekulativ. Das ist aber nicht verwunderlich, denn die Krise an den Finanzmärkten ist noch lange nicht ausgestanden, wie die jüngsten Turbulenzen bei einigen renommierten Banken zeigen. Zudem setzt sich der Konjunkturabschwung von einer Branche zur nächsten fort. Und selbst das deutsche „Aushängeschild“, der exportorientierte Maschinenbau, muss seit November vergangenen Jahres einen drastischen Auftragsrückgang hinnehmen.
Bei dieser Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage ist es richtig, dass sich die Bundesregierung in der ersten Januarhälfte auf ein zweites Konjunkturpaket verständigt hat. Sicherlich kann man endlos über Sinn und Zweck der einzelnen Maßnahmen diskutieren, zumal dadurch die Verschuldung des Bundes auf eine Rekordhöhe getrieben wird. Doch offensichtlich gibt es keine Alternative.
Angesichts der erheblichen Auswirkungen durch die internationale Finanzkrise, den deutlichen Konjunkturabschwung und Strukturschwächen, die insbesondere in der Automobilindustrie deutlich werden, musste auch die Reaktion des Staates deutlich ausfallen. Bei all der berechtigten Kritik im Detail ist Deutschland alles in allem mit seinen beiden Konjunkturpaketen im Gesamtvolumen von 75 Milliarden Euro seiner Verantwortung als größte Volkswirtschaft in der EU gerecht geworden.
In den kommenden Monaten kommt es nun entscheidend darauf an, wie sich die Unternehmen behaupten können. Viele von ihnen sind besser aufgestellt als beim vergangenen Konjunkturabschwung. So wurde in den letzten Jahren intensiv daran gearbeitet, die Wettbewerbsfähigkeit mit neuen oder weiter entwickelten Produkten und Dienstleistungen zu verbessern. Auch die Eigenkapitalbasis vieler Unternehmen wurde gestärkt. Und natürlich wird alles dran gesetzt, um die Stammbelegschaften zu halten, da man sie beim nächsten Aufschwung wieder benötigt. Deshalb sind auch die gerade beschlossenen staatlichen Maßnahmen zur Stützung der Kurzarbeit besonders hilfreich.
Um die Krise zu meisten, müssen wir jetzt alle Register ziehen. Und da sind auch die Tarifvertragsparteien gefordert. IG Metall und Arbeitgeberverbände müssen gerade jetzt wirksame Maßnahmen vereinbaren. Der M+E-Flächentarifvertrag bietet ein umfangreiches Instrumentarium zur Beschäftigungssicherung an. In Siegen-Wittgenstein haben IG Metall und der Metallarbeitgeberverband bereits eine sogenannte „Taskforce Beschäftigungssicherung“ vereinbart, um den Unternehmen vor Ort eine schnelle und effektive Hilfestellung zu geben. |