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Wirtschaft im Klartext – von Michael Jungblut

Der Doppel-Angriff auf die Rentner

Machen Sie sich im Alter auf was gefasst: Gleich von zwei Seiten nimmt der Fiskus in diesen Wochen die Ruheständler ins Visier

Bild: Michael Jungblut

Sparen auch Sie kräftig fürs Alter? Gehen Sie bald in Rente? Wenn Sie glauben, dass Ruhestand auch Ruhe vor dem Finanzamt bedeutet, dann irren Sie sich! Denn der Fiskus bittet jetzt auch Rentner zur Kasse. Selbst Tante Else im Altersheim muss nun damit rechnen, dass statt des Neffen der Steuerbüttel zu Besuch kommt.

In diesem Jahr sind Millionen Rentner steuerpflichtig geworden. Statt bisher 27 Prozent müssen jetzt 50 Prozent der staatlichen Rente versteuert werden. Dadurch geraten 1,2 Millionen Rentner neu in die Mühlen des Fiskus. Weitere zwei Millionen Ruheständler, die bisher schon steuerpflichtig waren, es aber vielleicht nicht wussten, könnten bald als Steuerhinterzieher am Pranger stehen. Denn viele beziehen neben der schmalen Rente noch andere Einkünfte – zum Beispiel Zinsen, Mieten oder Betriebsrenten. Von jedem Euro, der über den steuerfreien Grundfreibetrag hinausgeht, will das Finanzamt seinen Anteil. Das ist der erste Angriff.

Fiskus kann bald in all Ihre Konten gucken

Das allein ist schon ärgerlich genug. Schlimmer ist, dass unser Staat dem Finanzamt jetzt die gesetzliche Möglichkeit gibt, an Daten heranzukommen, auf die es früher keinen Zugriff hatte. Denn nun werden automatisch die Unterlagen von privaten und öffentlichen Versorgungseinrichtungen abgeglichen. Außerdem kann das Finanzamt feststellen, wo überall ein Bundesbürger Konten unterhält. Voraussichtlich schon ab dem 1. April darf er Informationen über Bankverbindungen einholen. Das ist Angriff Nummer zwei.

Damit wird klar: Nicht nur Rentner sind betroffen. Jetzt müssen alle, die in den vergangenen zehn Jahren zusätzliche Einkommensquellen besaßen, die im Verborgenen sprudelten, damit rechnen, dass dies früher oder später dem Finanzamt auffällt. Das kann bis zu zehn Jahren zurück ausstehende Zahlungen einfordern – und seinen Bescheid zusätzlich noch mit hohen Zinsen und Strafzahlungen garnieren. Außerdem droht eine Klage wegen Steuerhinterziehung. Das kann sehr unangenehm werden.

Wer etwas zu fürchten hat, könnte mit einem blauen Auge davonkommen. Denn noch gibt es die Möglichkeit, von der Steueramnestie zu profitieren. Auch kleine Steuersünder haben die Möglichkeit, billiger und straffrei davonzu- kommen. Doch Ende März ist „der Ofen aus“. Wer bis dahin seine Sünden nicht gebeichtet hat, bekommt keinen Rabatt mehr auf die Strafe.

Es bleibt nur der Weg der Selbstanzeige beim Finanzamt. Die schützt zwar davor, hinter Gitter zu kommen. Die Nachzahlungen sind aber viel höher. Die immer lückenlosere Erfassung unserer Daten, die in vielen Fällen sehr nützlich ist, führt leider auch dazu, dass es zunehmend schwerer wird, sich einer Ausforschung zu entziehen. Denn nicht nur Polizei, Finanzamt oder städtische Behörden nutzen diese Möglichkeit. Auch Banken, Handelsunternehmen, Versicherungen, Adressenhändler und unseriöse Geschäftemacher greifen zu. Vielleicht haben auch Sie schon festgestellt, dass nicht nur die Flut von Prospekten und Werbebriefen zunimmt. Auch das Telefon klingelt immer häufiger, weil jemand versuchen will, Sie zu Gewinnspielen zu überreden, Ihnen etwas anzudrehen oder in anderer Form Geld aus der Tasche zu ziehen.

Vor den staatlichen Datensammlern können Sie sich nur schwer schützen. Aber Sie können es den Geschäftemachern schwerer machen, Sie auszuspähen. Geben Sie deshalb so wenig wie möglich von Ihren Daten preis. Rücken Sie Adresse, Einkommen, Geburtsdatum und andere persönliche Informationen nur heraus, wenn es unbedingt nötig ist. Sonst brauchen Sie sich nicht zu wundern, dass Ihr Briefkasten überquillt.

Michael Jungblut war von 1986 bis 2002 der „WISO-Star“ des ZDF