Elektro-Auto extrem: So macht Klimaschutz Spaß!
Emotionen ohne Emissionen
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| Spannende Entdeckung gemacht: Thore Rohwerder (links) und Roland Müller begutachten Bakterienkulturen. Foto: Sonntag/UFZ |
Samstagabend im Fernsehen: Sanft, fast tonlos fallen die Kugeln in die Auffangbehälter des Lottogeräts. Millionen schauen zu. Es dreht sich die Lostrommel, die wohl bekannteste Anwendung von Acrylglas. Fast wie ein „Sechser im Lotto“ kam es
zwei Forschern vor, als sie kürzlich einen neuen Weg zur
Herstellung des Kunststoffs fanden.
Noch ist es ein Produkt der Erdölchemie. Doch das könnte sich bald ändern. Denn Acrylglas lässt sich umweltschonender und produktiver herstellen. Aus Zucker zum Beispiel. Dank Thore Rohwerder von der Uni Duisburg-Essen und seinem Kollegen Roland Müller vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Eigentlich forschten die beiden an etwas völlig anderem. Sie wollten herausfinden, wie man MTBE, das Antiklopfmittel im Benzin, am besten aus dem Boden eines ehemaligen Chemie-Betriebs in Sachsen-Anhalt entfernt.
„Das mussten wir
uns genau anschauen“
„Dabei haben wir Bakterien gefunden, die den Stoff abbauen“, erklärt Rohwerder. Ganz einfach, indem sie ihn aufnehmen und verdauen. „Das mussten wir uns genau anschauen“, berichtet der Mikrobiologe. „Das Ergebnis war wie ein Hauptgewinn.“
Denn die Bakterien verwandeln bei der Verdauung das MTBE in eine Chemikalie, die bei der Herstellung von Acryl als Ausgangsstoff dient (2-Hydroxyisobutyrat). Ein spezielles Enzym baut die Substanz dann zu einem natürlichen Stoff um und verdaut ihn.
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| Das Samstagabend-Vergnügen:
Das Lottogerät ist die wohl bekannteste
Anwendung von Acrylglas. In Zukunft kommt
ein Ausgangsstoff aus der Natur. Foto: Vario Images |
Bei Rohwerder und Müller machte es „Klick“: Wenn man den Stoffwechsel der Bakterien umkehren könnte, ließe sich mit dem Enzym auch Zucker in den Acryl-Ausgangsstoff umwandeln.
Im Labor funktioniert das bereits. Und patentiert ist die Methode auch. Nun muss man sie produktionstauglich machen. Experten des Acrylglas-Herstellers Evonik helfen dabei. „Bis zur Pilotanlage ist aber noch einige Forschung nötig“, weiß Rohwerder.
In etwa zehn Jahren, hoffen die Evonik-Experten, könnte man bereits gut 10 Prozent des weltweiten Acrylbedarfs aus Biomaterial herstellen.
Gute Aussichten: Der Weltmarkt für Acrylglas wächst ständig. Denn der Kunststoff steckt in vielen Alltagsgegenständen wie etwa Autorückleuchten oder Salatlöffel. Bereits heute liegt die Produktion bei über drei Millionen Tonnen und der Umsatz bei
4 Milliarden Euro.
Uwe Rempe |