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Ein Betrieb krempelt die Produktion um – und das ohne Hilfe von außen

Hier bewegt man was

Bild: Beim Kunden-Einsatz
Beim Kunden-Einsatz: Gleich vier Demag-Krane wuchten hier ein Airbus-Teil.
Bild: Dreher Frank Dreesbach
Lernte für mehr Verantwortung hinzu: Der Dreher Frank Dreesbach kann jetzt auch fräsen. Fotos: Demag Cranes (2), Roth (3)

Frank Dreesbach spannt einen Rohling in seine Maschine ein. Ein paar Minuten nur – und aus dem unansehnlichen Stück Stahl wird eine glänzende Welle. Was Dreesbach in einem Wisch erledigt, erforderte früher sieben Arbeitsschritte. Und er machte nur einen davon, das Drehen.

Vor ein paar Monaten hat sich sein Job völlig verändert. Dreesbach arbeitet in der mechanischen Fertigung von Demag Cranes & Components in Wetter. Und die wurde kräftig umgekrempelt.

Schneller und flexibler

Diese Abteilung produziert Wellen, Zahnräder und Gehäuse für Ketten-, Seilzüge und Getriebemotoren, die der Mutter-Konzern Demag Cranes in seinen Industrie- und Hafenkranen einbaut.

Dreesbachs Abteilung wurde auf sogenannte. Inselfertigung umgestellt. Fortan sind die Mitarbeiter jeweils für eine bestimmte Produktgruppe verantwortlich. Der Dreher Dreesbach lernte auch fräsen. „Die Arbeit ist jetzt komplizierter, aber auch interessanter geworden.“ Und da er deshalb höher eingruppiert wurde, verdient er auch mehr.

Mit der Umstellung will das Werk schneller werden. 43 Tage durchlief früher zum Beispiel ein Zahnrad die Produktion. Immer wieder wurde es in Zwischenlagern abgelegt. „Das ist heute zu lange“, so der Leiter des Komponentenwerks Wetter, Rainer Harkort: Die Fertigungszeit soll auf höchstens zwölf Tage sinken. Um für die Zukunft besser gewappnet zu sein.

Gleichwohl bekam auch der Kran-Konzern 2009 die Wirtschaftskrise zu spüren. Der Umsatz sank um 15 Prozent, 36 Prozent weniger Aufträge gab es. Für das Werk in Wetter bedeutete das Kurzarbeit und zudem hat es sich von fast allen Zeitarbeitern getrennt. Rund 70 Ältere werden demnächst frühverrentet. Das soll betriebsbedingte Kündigungen vermeiden.

Mancher Raucher ist jetzt traurig

Trotz Flaute investierte der Konzern fast 5 Millionen Euro in die Neuorganisation in Wetter. „Das zeigt, dass der Vorstand hier eine Zukunft sieht“, so Harkort. Zumal alle festen Jobs erhalten wurden.

„Das Mammutprojekt haben wir ganz ohne Hilfe von außen gestemmt“, ist der Leiter der Produktionssparte Mechanik, Gerhard Nieft, stolz auf seine Leute. In Teams brüteten sie zwei Jahre lang aus, was anders laufen könnte: Welche der 2.850 Produkte werden zu Familien zusammengefasst? Wie ordnen wir für kurze Wege die Maschinen neu an? Wer braucht welche Qualifizierung?
Bild: Gestalteten neue Organisation mit
Gestalteten neue Organisation mit: Thomas Jakobi, Gerhard Nieft und Marc de Vries (von links).

Marc de Vries prüft nun die gedrehten Teile im Messraum selbst. Er hat gelernt, Zahlen und Diagramme zu deuten, die der Computer ausspuckt. So werden Fehleinstellungen an der Maschine früh entdeckt.

Dank eines Wochenplans weiß Werkzeugmacher Thomas Jakobi jetzt im voraus, wann wo seine Werkzeuge gebraucht werden. Die zentrale Werkzeugausgabe – abgeschafft. Jakobi: „Früher
sind die Leute für ein Teil oft hin- und hergerannt. Und während wir die Anlage dann eingerichtet haben, gingen sie eine rauchen.“

Matilda Jordanova-Duda

Info: Demag Cranes & Components

Bild: Getriebe

Die Fabrik in Wetter hat 680 Mitarbeiter. Sie fertigt Getriebe, Seil- und Kettenzüge sowie Steuerungen für Krane, die unter anderem in der Papier- und Luftfahrt-Industrie sowie in Recycling-Firmen zum Einsatz kommen. Das Werk gehört zur Demag Cranes AG, einem der weltweit führenden Hersteller von Industrie- und Hafenkranen (6.000 Mitarbeiter, 1 Milliarde Euro Umsatz).