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Hauptsache, Jobs gerettet

Bild: Werner Sülberg
Werner Sülberg zu den Möglichkeiten, die Krise zu meistern

Das Außergewöhnliche an dieser Krise ist, dass wir es mit einer neuen Qualität der Unsicherheit zu tun haben. Selten war der Blick in die künftige wirtschaftliche Entwicklung so von Nebel verhangen wie jetzt. Fest steht nur eines: Die Dramatik der Situation fordert nicht nur von der Politik, sondern auch von den Tarifpartnern, den Unternehmen und den Mitarbeitern eine gemeinsame Kraftanstrengung, um die stärkste Rezession der deutschen Nachkriegsgeschichte zu überwinden. Dabei kommt es darauf an, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten.

Insbesondere in den Tarifverträgen der Metall- und Elektro-Industrie gibt es dafür eine Vielzahl von Stellschrauben, die alle genutzt werden müssen. Die Maßnahmen reichen von Arbeitszeitkonten, über den Tarifvertrag Beschäftigungssicherung und betriebliche Lösungen nach der Pforzheimer Tarifvereinbarung bis hin zur Kurzarbeit und den flexiblen Elementen aus dem jüngsten Tarifabschluss.

So sollten bei wirtschaftlich schwieriger Lage die Betriebsräte der Verschiebung der zweiten Stufe der Tabellenerhöhung um bis zu sieben Monate ebenso zustimmen wie der proportionalen Senkung von Arbeitszeit und Einkommen zur Beschäftigungssiche-rung. Die IG Metall wiederum ist aufgerufen, betriebliche Lösungen durch Ergänzungstarifverträge nach dem „Pforzheim“-Modell schnell und konstruktiv zu begleiten.

Im besonders betroffenen Nordrhein-Westfalen haben darüber hinaus der Arbeitgeberverband METALL NRW und die IG Metall gemeinsame Positionen zur Bewältigung der Wirtschaftskrise entwickelt. Dazu zählt unter anderem die Forderung nach einem erweiterten Spektrum betrieblicher wie überbetrieblicher Qualifizierungsmaßnahmen während der Kurzarbeit. In einen solchen Katalog gehören Technik-Lehrgänge zum Beispiel in CAD, Pneumatik, Oberflächenbehandlung und Mechatronik, aber auch deutsche Sprachkurse für ausländische Mitarbeiter. All dies sind Maßnahmen, für die im Unternehmensalltag in Zeiten der Hochkonjunktur kein Raum geblieben ist. Sie nützen dem Unternehmen, vor allem erweitern sie die Qualifikation und Einsatzfähigkeit der Mitarbeiter.

Außerdem streben die Tarifpartner in NRW einen sogenannten Struktursozialplan an. Dieser neuartige Sozialplan soll Beschäftigung auch dann sichern, wenn in einem Unternehmen Entlassungen nicht zu verhindern sind: Betroffene sollen nach einer Qualifizierung in einer Transfergesellschaft von bis zu 24 Monaten in ihren alten Betrieb zurückkehren können. Das gibt den Menschen Perspektive und Sicherheit.

Der Vorteil für die Firmen wäre, dass sie ihnen bekannte Mitarbeiter beim Aufschwung problemlos wiederbekämen. Die Politik profitiert, weil sich die Arbeitslosenzahl statistisch damit nicht erhöht. Bislang schließt das Gesetz allerdings die Rückkehr aus.

Umso mehr begrüße ich es, dass offensichtlich in der Großen Koalition derzeit über eine entsprechende Neuregelung nachgedacht wird. Wenn nämlich die Auftragslage in der M+E-Industrie bis zum Sommer so schlecht bleibt wie jetzt, wird es vermutlich trotz Kurzarbeit bei einer ganzen Reihe von Unternehmen gerade auch in unserer Region zu Entlassungen kommen müssen. Transfergesellschaften könnten dann ein Instrument sein, um Arbeitnehmern den Absturz in die Arbeitslosigkeit zu ersparen.

Fazit: Alle Seiten müssen an einem Strang ziehen, um die Krise zu meistern. Und so Jobs zu retten.