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Reklame mit nackter Haut: Die Versuchung ist groß

Mit Sex durch die Krise

Bild: Provokant und „erkennbar gespielt“
Provokant und „erkennbar gespielt“: Die aktuelle Kampagne der Autovermietung Sixt. Foto:Eifrig

Nackte Haut zum Anpreisen von Berlinern, Hirschgulasch, Autovermietung, Klamotten und Schinken: Die Deutschen fanden im vergangenen Jahr so manche Reklame mit weiblichen Schlüsselreizen geschmacklos.

Bürger protestierten beim Werberat, dem Kontrollgremium der deutschen Werbewirtschaft, gegen 110 Kampagnen, die sie als frauenfeindlich empfanden – das sind 22 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Und die Zahl könnte in der Wirtschaftskrise noch weiter steigen.

„Besonders bei Männern“

„Werbung mit Sex und Erotik zieht immer“, sagt Franco Rota von der Hochschule der Medien in Stuttgart. Die Bilder in der Werbung garantierten eine hohe Aufmerksamkeit, meint der Professor für Werbung und Marktkommunikation. „Besonders bei Männern.“

An „Sex sells“ orientieren sich Unternehmen in Krisenzeiten deshalb besonders gerne, sagt der Experte.
Je mehr der wirtschaftliche Druck zunimmt, desto mehr Ungewohntes wagen sie. „Dadurch laufen sie auch Gefahr, thematisch über die Stränge zu schlagen.“
Der Werberat prangert solche Grenzüberschreitungen, etwa sexistische Anspielungen oder Bilder, regelmäßig an. „In diesen Fällen muss man sagen: Das geht so nicht!“, meint Volker Nickel, Sprecher des Gremiums.

So wurden im vergangenen Jahr 38 Firmen wegen frauenfeindlicher Reklame ermahnt. Vier von ihnen erhielten sogar eine öffentliche Rüge, nachdem sie trotz der Kritik ihre Kampagnen fortgeführt hatten.

Prüderie soll deswegen noch lange nicht Einzug in Deutschland halten. Die aktuelle Anzeigenkampagne der Autovermietung Sixt etwa hält der Werberat-Sprecher für harmlos. Deren Appell: Männer müssen immer wieder mal ihr Auto wechseln, um Chancen bei Frauen zu haben. Das Bild dazu: ein Model in erotischer Pose.
Diese Szene sei „erkennbar gespielt“, sagt Nickel. „Sie ist dem lebenskompetenten Verbraucher zuzumuten.“

Michael Stark