Vor der britischen Küste entsteht ein Stück Energie-Zukunft –
mit gewichtigen Produkten eines Mittelständlers aus Siegen-Wittgenstein
Starke Füße
für Windmühlen
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| Windräder im weiten Wasser: Vor den Toren Londons wird jetzt eine ähnliche Offshore-Anlage gebaut wie die auf dem unterem Foto. Einer der Zulieferer ist Rohrproduzent EEW. Foto: fotolia |
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Lars Langenbach (32) schwingt kein scharfes, dafür aber ein schweres Schwert: So nennen Fachleute den 40 Tonnen wiegenden Koloss, der sich in der Biegepresse unter Donnergrollen im Minutentakt niedersenkt.
Größter Auftrag der Fimengeschichte
Dabei formt er aus einem sechs Zentimeter dicken und 28 Tonnen schweren Stahlblech ein Rohr. Mit 6.000 Tonnen Druck. Schlag für Schlag.
Schlag auf Schlag – so geht es in der Fertigung der Erndtebrücker Eisenwerk GmbH & Co. (EEW) zu. Die Firma im Rothaargebirge hat sich in den letzten zehn Jahren rasant entwickelt – und nun erfolgte der Paukenschlag: Das Familienunternehmen sicherte sich den größten Einzelauftrag in seiner Geschichte.
Vor der britischen Küste, auf der Höhe von London, entsteht der weltweit größte Offshore-Windpark. Und EEW liefert dafür über sein Rostocker Werk 175 Fundamente aus Stahlrohren sowie Anschluss-Stücke für die Rotorentürme. Auftragswert: 100 Millionen Euro.
Die „Füße“ der Windräder, die in den Meeresgrund gerammt werden, sind kräftig. Sie haben einen Durchmesser von bis zu sechseinhalb Metern, sind 17 Meter lang und wiegen pro Stück rund 600 Tonnen. Ein gewichtiger Auftrag von insgesamt 64.000 Tonnen Stahl.
„Wir machen aus Stahl eine runde Sache“, bringt Karl Klös-Hein (54), einer der drei Geschäftsführer, die Sache auf den Punkt.
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| EEW-Geschäftsführer Karl Klös-Hein: Er setzt auf die Erfahrung langjähriger Mitarbeiter. |
Das geschieht zunehmend global. 2001 gründet EEW den ersten Produktionsstandort außerhalb Deutschlands, in Südkorea. 2007 folgt das strategisch wichtige Werk in Rostock, mit direkter Anbindung an den Hochseehafen. 2008 schließlich der Werkneubau in Malaysia.
Klös-Hein: „Um im Rohrgeschäft erfolgreich mitspielen zu können, muss man auf den Weltmärkten vertreten sein.“
So kommen längsnahtgeschweißte Rohre, die Langenbach gerade zurechtbiegt, rund um den Erdball zum Einbau. Etwa in Kraftwerken und Raffinerien. Die Rohre transportieren Gas, Öl und Wasser. Und stützen Öl- und Gasplattformen.
Bis zum Geschäftsjahr 2008/ 2009 hatte sich der Umsatz binnen sechs Jahren auf 500 Millionen Euro vervierfacht. Doch dann kam der Einbruch – um voraussichtlich 15 bis 20 Prozent. Klös-Hein: „Durch unsere globale Präsenz konnten wir den Rückgang abfedern.“ Seine Prognose: „Es geht langsam wieder bergauf.“
Personalabbau? Kein Thema!
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| Noch ist es bloß ein dickes Stahlblech: Das ändert sich, wenn Lars Langenbach mit seiner Biegepresse gleich loslegt. Fotos: Moll (3) |
Bei EEW ist man stolz darauf, dass es in der Krise keine Kurzarbeit gab. Und alle Stellen erhalten wurden. Auch dieses Jahr plant man keinen Personalabbau. Klös-Hein betont: „Wir haben viele langjährige Mitarbeiter, die setzt man nicht einfach auf die Straße. Und wenn wir aus der Krise rauskommen, würden wir ohne qualifiziertes Personal dastehen. Wer will das schon?“
Derweil verrichtet Langenbachs Biegepresse ihr Tagwerk. Schlag auf Schlag. Und die Luft riecht so gut nach öligen Spänen …
Gerd Dressen
Info: Erndtebrücker Eisenwerk GmbH & Co.
Das Familienunternehmen EEW mit Hauptstandort Erndtebrück im Osten Nordrhein-Westfalens verarbeitet pro Jahr 420.000 Tonnen Stahl zu Rohren. Es beschäftigt 1.200 Mitarbeiter, darunter 35 Auszubildende.
Der Umsatz lag im Geschäftsjahr 2008/2009 bei
500 Millionen Euro. Die EEW-Rohre kommen unter anderem in Kraftwerken zum Einbau und als Stützen von Ölplattformen. |