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Vom schwierigen Fall zum Senkrechtstarter: Förderprogramme können Wunder wirken

So hab ich´s gepackt

Bild: Alexander Tschersich
Froh um die Chance: Bei einer Stahlbaufirma in Dortmund bekam Alexander Tschersich (Bild oben) eine Ausbildung. Er steuert schon die Abkant-Maschine (Bild unten).
Bild: Alexander Tschersich

Alexander Tschersich (25) ist nicht den geraden Weg gegangen. Erst schwänzte er die Schule, dann schmiss er sie ohne Abschluss hin.

Mal belud er Lastwagen, mal half er im Lager aus, mal hing er rum. „Irgendwann hatte ich keine Lust mehr auf so ein Leben, wo man nichts erreichen und sich nichts leisten kann“, sagt er im Rückblick.

Heute lernt er den Beruf des Konstruktionsmechanikers. Wie findet man eine Lehrstelle, wenn bisher alles schiefgelaufen ist?

Prämie für gute Leistungen

Tschersich schaffte es über den „Dritten Weg“ – ein Projekt des nordrhein-westfälischen Arbeitsministeriums für junge Leute, die trotz anderer Förderungen keine Lehrstelle bekommen. Ähnliche Programme gibt es im ganzen Bundesgebiet. Sie sind vielfach initiiert oder unterstützt von Arbeitgeberverbänden und Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie.

Es hat sich was getan in Tschersichs Leben. Gerade schweißt er Abdeckbleche für den Hafenbau. Sein Ausbildungsbetrieb, der Stahlbauer ANKER-SCHROEDER.DE ASDO GmbH in Dortmund, zahlt ihm wegen guter Leistungen eine Prämie, die sein Einkommen auf das normale Azubi-Niveau aufstockt. Sonst bekäme er im Rahmen des Programms nur „Hartz IV“. Und: Seit kurzem hat er den Schweißer-Fachschein.

Bild: Alexander Tschersich
Abwechslung: Auch mit Schweißgerät (Bild oben) und Flex (Bild unten) kann er inzwischen super umgehen. Fotos: Pickartz (6)
Bild: Alexander Tschersich

Der Betrieb, der insgesamt 92 Mitarbeiter beschäftigt, liefert Teile für den Brücken-, Hallen- und Wasserbau; er produziert dafür Spundwandanker, Schrägpfähle und sonstige Verankerungen.

Den Alltag packt Tschersich mit Hilfe der „Agentur für Berufsbildung“ des Unternehmensverbands der Metall- und Elektro-Industrie in Dortmund und Umgebung. Die Agentur begleitet seit 2006 im Programm Dritter Weg schwierige Jugendliche: Schulabbrecher, Vorbestrafte, ehemalige Drogensüchtige.

Projektleiter Peter Petschokat: „Die meisten haben Schulden und Beziehungsprobleme.“ Disziplin sei für viele ein Fremdwort.

Und dies ist die Bilanz: Fünf der ersten sechs Teilnehmer schafften den Berufsabschluss als Teilezurichter. Vier von ihnen machen jetzt sogar noch die Ausbildung zum Industrie- oder Konstruktionsmechaniker. Petschokat weiß, wie man sie motiviert: „Wenn sie spüren, dass sie gebraucht werden, klappt das.“

Die Betreuer begleiten ihre Schützlinge zu Ämtern. Sie helfen ihnen bei den Finanzen, reden mit den Familien. Und sie suchen Lehrstellen. Die Betriebe seien aufgeschlossen, sagt Petschokat. Doch die Jugendlichen müssten Motivation und grundlegende Tugenden wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit mitbringen.

Bild: Ansporn
Ansporn: Ausbilder Bodo Dobers (im Blaumann) und Geschäftsführer Dirk Schroeder sind zufrieden mit ihrem Azubi.

Alexander Tschersich lernte das auf die harte Tour: Die Lehre zum Teilezurichter machte er bei einem Handwerker. Kam er zu spät, fuhr der Meister ohne ihn zum Termin. Dann gab’s für den Tag kein Geld.

Jetzt will er den Meister machen

Arbeitgeber können die Azubis über den Dritten Weg vier Wochen lang testen.

Bild: Projektleiter Peter Petschokat
Projektleiter Peter Petschokat: „Wenn sie spüren, dass sie gebraucht werden, klappt das.“

ASDO-Geschäftsführer Dirk Schroeder kann sich vorstellen, weitere Kandidaten einzustellen: „Eine positive Erfahrung wiederholt man gern.“

Tschersichs heutiger Ausbilder Bodo Dobers: „Bei Alexander hatte ich schon nach der ersten Woche ein gutes Gefühl.“ Er hat Geschmack am Lernen gefunden. Den Hauptschulabschluss hat er abends nachgeholt. Jetzt will er die Prüfung bestehen, übernommen werden, den Meister machen.

Matilda Jordanova-Duda