Die Betriebe sind auf die Fachkräfte
im Seniorenalter angewiesen
Zupackend,
erfahren, über 50
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| Karl Epe (59): Seine Erfahrung zählt. Vor
drei Jahren wurde der Metaller neu eingestellt.
Fotos: Sandro, Sigwart, Wirtz (2) |
Ende des nächsten Jahres läuft das bisherige Vorruhestandsmodell
aus. Unterdessen fordern bereits einige Politiker eine Verlängerung.
Gesamtmetall,
das Sprachrohr von Deutschlands wichtigstem Industriezweig
Metall und Elektro,
plädiert für einen „Mentalitätswandel in Richtung
längerer Lebensarbeitszeit“.
Karl Epe lässt seine Finger über die Tastatur huschen, ein
Blick nach rechts auf die Maschine mit dem großen Blech. Schon hört
der Schlosser ein Zischen. Dicht über dem Blech zuckt grelles Licht.
Drei heiße Strahlen beißen sich durchs Metall, bewegen sich
langsam weiter, schneiden ovale Teile heraus. Epe ist eine Fachkraft, die
viel Routine hat: zupackend, erfahren. Und – weit über 50!
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| Wolfgang Hartmann (61):
Der Maschinenschlosser (oben) arbeitet seit fast 42 Jahren bei dem
Siegener Unternehmen Vetter. |
Der Mann arbeitet bei Vetter in Siegen (Nordrhein-Westfalen), dem weltweit
größten Hersteller von Schwenkkranen. Die hieven schwere Lasten
in Industriebetrieben. Und las-sen neue Luxusjachten zuverlässig
zu Wasser. Firmenchef Klaus Vetter weiß gestandene Fachkräfte
wie Epe zu
schätzen: „Es wäre dumm, auf solche Leute zu verzichten,
sie vorzeitig aufs Altenteil zu schieben.“ Das aber passiert in Deutschland
noch immer zu häufig – dank des staatlich geförderten Vorruhestands.
Doch dies ist nicht mehr zeitgemäß.
Erfahrung zählt – nicht das Alter
Deshalb soll die Politik an ihrem Beschluss, dass die Bundesagentur
für
Arbeit den Frühverrentungs-Zuschuss nur noch bis Ende 2009 zahlt,
festhalten, fordern die Arbeitgeber. Sie plädieren stattdessen für
einen „Mentalitätswandel in Richtung längerer Lebensarbeitszeit“.Begründung:
Es rücken nicht mehr genug junge Kräfte nach, den Betrieben
droht ein Verlust an gut ausgebildeten Mitarbeitern. Bereits 2015 werden
bei uns sieben Millionen Menschen weniger dem Arbeitsmarkt zur Verfügung
stehen als heute. Deshalb sind viele Unternehmen auf die Senioren angewiesen.
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| Jürgen Dargies (64):
„
Ich fühle mich fit.
Bin schließlich nicht zum Rumsitzen geschaffen.“ |
Bei Vetter ist inzwischen jeder vierte der rund 140 Mitarbeiter über
50. Sechs Kräfte sind 60 und älter. Das Unternehmen gibt selbst
Bewerbern mit Silberlocken eine Chance. So hat es vor drei Jahren den heute
59-jährigen Karl Epe eingestellt, jenen Mann, der an der Schneidmaschine
arbeitet. Firmenchef Vetter: „Bei uns zählt Erfahrung – nicht
das Alter.“
Und der richtige Mix: Die alten Hasen geben ihre Erfahrung an die jungen
Hüpfer weiter. Und – die Senioren sind überaus motiviert.
Jeder zweite über 50-Jährige hält es
laut einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW)
für „wichtig
bis sehr wichtig“, durch eigenen Einsatz und Leistung im Leben
etwas zu erreichen.
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| Martin Fehrenbacher (54, links): Der Computer-Experte
der Firma Hansgrohe gibt sein Wissen an seine Kollegen weiter. |
Rund zwei Drittel der Grauschläfen arbeiteten
mit „richtiger
Freude“, 55 Prozent seien mit ihrem Unternehmen „besonders
verbunden“.
Mit 64 Jahren
fest übernommen
Das weiß man auch bei der Schwarzwälder Bad- und Sanitärfirma
Hansgrohe. Hier gibt es „Mumm“, wobei die vier Buchstaben
für „Miteinander
und motiviert mitmachen“ stehen. Personalchef Thomas Egenter: „Wir
wollen so den
Wissensaustausch fördern, Arbeitsplätze seniorengerecht gestalten
und gezielt ältere
Kräfte weiterbilden.“ Und da spielt auch der 54-jährige
Martin Fehrenbacher eine Rolle. Er ist dafür verantwortlich, dass
alle Produktionsstätten per Mausklick Zugriff auf die dreidimensionalen
Konstruktionszeichnungen haben, wie etwa die Computergrafik eines neuen
Duschkopfes. Fehrenbacher gibt sein umfangreiches Know- how in firmeneigenen
Schulungen an Kollegen weiter.
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Für Jürgen Dargies ist es nicht mehr weit bis zur Rente. Der
64-Jährige arbeitete bei der Mannheimer Gießerei MGM zunächst
als Zeitarbeitnehmer – vor ein paar Monaten wurde er fest übernommen.
Bis zum Renteneintritt Ende 2008 entgratet er hier Gussteile. Ein Knochenjob.
Doch Dargies ist das egal: „Ich fühle mich fit.
Bin schließlich nicht zum Rumsitzen geschaffen.“
Wilfried Hennes, Rut Katzenmaier
Info: Altersteilzeit
Nutzt ein Arbeitnehmer bei der sechsjährigen Altersteilzeit beispielsweise
das Blockmodell, arbeitet er die ersten drei Jahre wie bisher, die restlichen
drei Jahre geht er in die passive Altersteilzeitphase. Während der
gesamten Altersteilzeit erhält er 82 Prozent seines letzten Nettogehalts.
Diese 82 Prozent teilen sich wie folgt auf: 50 Prozentpunkte bezahlt
der Arbeitgeber. Weitere 12 Prozentpunkte kommen in der M+E-Industrie als
tarifliches
Extra dazu.
Die restlichen 20 Prozentpunkte finanziert die Bundesagentur für Arbeit – vorausgesetzt,
der Betrieb ersetzt die Altersteilzeitkraft durch einen jungen Kollegen.
Geschieht dies nicht, muss der Arbeitgeber auch diesen Part übernehmen. |