Wie ein Programm Schülern mit Problemen zu einer Lehrstelle verhilft
Guck mal, die blicken durch
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| Hat den Dreh raus: Larissa Lenhardt macht jetzt
eine Lehre in der Metall- und Elektro-Industrie. |
Larissa Lenhardt schaut auf ein Teil, das sich auf ihrer Maschine ganz
schnell dreht. Eine Ventilspindel nimmt Form an. Die 18-Jährige
ist im ersten Lehrjahr. Wird bei der Firma Friedrich Krombach Armaturenwerke
im nordrhein-westfälischen
Kreuztal, die unter anderem Schwimmerventile, Kugelhähne und Absperrklappen
herstellt, zur Zerspanungsmechanikerin ausgebildet.
Die junge Frau hat auch schon eine Mini-Kurbelwelle gedreht. Eigentlich
machen das Azubis erst im dritten Lehrjahr. Aber Larissa hat das schon
jetzt mit Bravour hingekriegt, so Reinhard Schwope, Leiter der gewerblichen
Ausbildung. Sie sei herausragend hervorragend. Sehr beständig,
sehr geschickt und sehr lernwillig. Ein Glücksgriff.
Vor ein paar Jahren sah es um die berufliche Zukunft der Nachwuchs-Metallerin
noch nicht gut aus. Sie hatte im ersten Halbjahr der achten Klasse
eine Fünf auf dem Zeugnis, wechselte von der Real- auf die Hauptschule.
Das übliche
halt, anderes war interessanter, sagt sie.
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| Teamwork schweißt zusammen: Das Förderprogramm
setzt den Schwerpunkt auf die Praxis – ein Grund für den
großen Erfolg.
Fotos: Eifrig (3) |
Doch dann lernte sie ein Programm kennen, das sich an Hauptschüler
mit Problemen richtet. Das sie anspornte, sich für den Schulabschluss
richtig ins Zeug zu legen. Um dann doch noch einen Ausbildungsplatz
zu bekommen.
Aus der Taufe gehoben wurde das Programm von Klaus Gräbener,
dem Geschäftsführer
des Berufsbildungszentrums (bbz) der Industrie- und Handelskammer Siegen.
Der Clou: Wer vor dem Schulabschluss ein Jahr lang regelmäßig
freitagnachmittags und samstagvormittags ins bbz
oder den anderen drei beteiligten Ausbildungszentren zum Förderunterricht
kommt, dem wird ein Ausbildungsplatz
garantiert. Hier wird nicht nur Mathe und Deutsch gepaukt. Der
Schwerpunkt liegt in der
Praxis. Jugendliche, die etwa eine Lehre in der Metall- und Elektro-Industrie
anstreben, lernen, wie man bohrt, fräst und schweißt.
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| Mathe büffeln am Wochenende: Dennis Kessler
will so einen besseren Schulabschluss erreichen. |
Zudem wird ihnen klar- gemacht, wie wichtig Pünktlichkeit, Fleiß und
ordentliches Auftreten sind. Gräbener:
Als wir 2005 anfingen, wurden wir von vielen Personalchefs ausgelacht.
Die
meinten: Das schafft ihr nie! Sie täuschten sich. Das Programm wurde ein Erfolg. Allein 2008 machten fast 190 Schüler
aus 44 Schulen der Region mit. 90 Prozent der Teilnehmer halten durch
schaffen den Sprung in den Beruf.
40 Firmen fördern
Initiative
Nur rund ein Fünftel der Fördermittel kommen von der Bundesagentur für
Arbeit.
Das Gros steuern die Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe, Stiftungen,
zwei regionale
Unternehmensverbände, Deutscher Gewerkschaftsbund, Industrie- und Handelskammer
sowie rund 40 Firmen bei. Gräbener: Wenn sich da Betriebe engagieren,
gibt das dem Ganzen mehr Kraft. Inzwischen haben Bonn, Hagen und Wuppertal das
Modell kopiert. Aus gutem Grund. Krise hin, Krise her: Die Betriebe brauchen nach wie
vor qualifizierten Nachwuchs. Doch die Schülerzahlen gehen seit
Jahren zurück bis
2020 um weitere 20 Prozent. Deshalb sind solche Programme so wichtig.
Die sich an Leute richten wie Dennis Kessler. Der 17-Jährige steht
im bbz an der Tafel und schaut etwas ratlos. Die Rechenaufgabe hat es
in
sich. Doch Kessler steckt nicht auf bis er strahlt. Aufgabe gelöst.
Er wollte eigentlich auf die Realschule, doch die Eltern hatten Angst,
dass er versagt.
Das Extra-Büffeln des Hauptschülers hat sich schon ausgezahlt. Kessler hat bereits einen Lehrvertrag als Konstruktionsmechaniker in der Tasche.
Wilfried Hennes |