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Warum Wengeler & Kalthoff auf langjährige Mitarbeiter setzt

Von wegen „altes Eisen“!

Bild: Heißer Job
Heißer Job: Seit 40 Jahren arbeitet Salvatore Mereu in der Schmiede. Hier bringt er Bohrstangen in Form. Fotos: Wirtz (3)
Bild: Seit 40 Jahren arbeitet Salvatore Mereu

alvatore Mereu dreht in den Händen einen langen glühenden Spieß. Unter den Hammerschlägen nimmt die Stangenspitze schnell Form an. Schon seit 40 Jahren arbeitet er in der Schmiede von Wengeler& Kalthoff (W&K) in Witten.

Zwei Männer seit 50 Jahren dabei

1970 hatte Mereu bei dem Hersteller von Bohrwerkzeugen für Bergbau, Bau und Stahlindustrie angefangen, als Hilfskraft. Jetzt ist er Vorarbeiter. Langweilig wird es ihm noch lange nicht: „Wir haben ständig neue Produkte“, sagt er. „Da gibt es immer etwas zu lernen. Und mit den Jahren wird man immer besser.“

Das sieht auch sein Chef so. Friedrich Wilhelm Wengeler, Inhaber des Familienunternehmens, schätzt das Wissen seiner älteren Mitarbeiter. Durchschnittsalter im Betrieb: 49 Jahre. Zwei Männer sind sogar seit einem halben Jahrhundert dabei.

Die Wittener Firma ist kein EinzeIfall: In vielen Betrieben der Metall- und Elektro-Industrie ergrauen die Belegschaften. In nur elf Jahren wuchs der Anteil der 50- bis 59-Jährigen von 17 auf 23 Prozent. 4 Prozent der Mitarbeiter sind über 60, doppelt so viele wie 1998.

Bei W&K sieht man das nicht als Nachteil. „Meine langjährigen Mitarbeiter können alle mehrere Maschinen bedienen“, sagt Wengeler. Solche Leute auf dem Arbeitsmarkt zu finden, sei schwer. Sie sind aber unverzichtbar: Dem mittelständischen Nischenanbieter sichern sie die nötige Flexibilität.

Der Betrieb erneuert jährlich ein Fünftel der Produkte. Und agiert auf mehreren Märkten. Eine Strategie, die sich auch im Krisenjahr bewährt hat. Der Einbruch beim Stahl-Absatz führte in Witten einige Monate zu Kurzarbeit, denn die Hüttenindustrie ist ein wichtiger Kunde. Diese Abnehmer nutzen die Werkzeuge, um Stichlöcher in Hochöfen zu bohren, durch die das Roheisen abfließt.

Krankenstand deutlich niedriger

Doch seit September arbeitet der Betrieb wieder auf vollen Touren: Auch, weil die Nachfrage der Hütten wieder angezogen hat. Zwischenzeitlich sorgte der schneereiche Winter für Aufträge. Es wurde mehr Salz abgebaut, und dafür braucht man Spezial-Bohrstangen.

Bild: Firmenchef Friedrich Wilhelm Wengeler mit alten Hasen, darunter Betriebsrat Wilfried Sausen (zweiter von rechts)
Starke Truppe: Firmenchef Friedrich Wilhelm Wengeler mit alten Hasen, darunter Betriebsrat Wilfried Sausen (zweiter von rechts).

Jetzt stellt der Betrieb wieder ein. Bald fängt ein Neuer an, in der Glüherei. „Wir hatten die Wahl zwischen einem 26- und einem 51-Jährigen“, so Wengeler. Der Senior mach-te das Rennen.

„Wir würden auch einen 60-Jährigen nehmen, wenn er zu uns passen würde“, sagt Wilfried Sausen, selbst bereits seit 47 Jahren dabei und seit 40 Jahren Betriebsratsvorsitzender. Er geht Ende des Jahres in Rente, will danach noch für drei Tage die Woche an seine Drehbank kommen.

Aber wie hält man so lange durch? Alle Arbeitsplätze sind mit Hebegriffen und Kränen ausgerüstet, das schont den Rücken.

Der Krankenstand in dem 50-Mann-Betrieb ist sogar nur halb so hoch wie branchenüblich: 6,7 Tage pro Mitarbeiter statt knapp 14. Sausen: „Man muss vor allem fit im Kopf sein. Und bereit sein, dazuzulernen.“

Matilda Jordanova-Duda

 

Info: Wengeler & Kalthoff

Das Wittener Unternehmen produziert Werkzeuge für schwierige Bohrungen, wie etwa in hartem oder bröckeligem Gestein. Gefertigt werden Bohrkronen und -stangen, Einsteckenden, Spatenblätter und Muffen. Zum Einsatz kommen sie zum Beispiel im Berg- und Tunnelbau sowie in der Stahlindustrie. Letztes Jahr setzte W&K rund 5 Millionen Euro um.