Bild: Logo
Bildlink: Zurück zum Inhalt

Familienbetrieb produziert Betonspritzmaschinen – die haben es in sich

Clever: Der Trick auf der Baustelle

Bild: Bauarbeiten im andalusischen Los Barrios
Bauarbeiten im andalusischen Los Barrios: Die Firma Clever & Co. will jetzt auch nach Spanien verkaufen. Foto: dpa

Ganz schön pfiffig, das „Mehrweg-System“ der Firma Clever & Co. Während für jeden Getränkehersteller die zu spülenden Flaschen nur lästiges Mittel zum Zweck sind, um weiter Bier, Wasser und Limo zu verkaufen, bedeutet das zurückkommende „Leergut“ für die Essener jede Menge Umsatz.

Statt schnöder Glasflaschen in Plastikkästen landen zentnerschwere Holzkisten in der Werkhalle der Elektro- und Maschinenfabrik. Voll mit sogenannten Zuteilern, die im rauhen Einsatz stark strapaziert wurden. Und nun aufgearbeitet werden. Zuteiler sind das Herzstück einer jeden Betonspritz-Maschine, die der 30-Mann-Betrieb herstellt. Das Bauteil schleust Spritzmaterial in deren Förderkammer – und von dort aus gelangt es mit Druckluft zur Spritzdüse.

Selbst in Australien im Einsatz

Bild: Kürzlich übernahm Marc Flötgen den Staffelstab von Vater Rüdiger
Erfolgsduo: Kürzlich übernahm Marc Flötgen den Staffelstab von Vater Rüdiger.

Die Clever-Trockenbetonspritzmaschinen sind weltweit gefragt: in Österreich, den Benelux-Staaten, der Schweiz sowie in Indien, Brasilien und Australien.

Sie arbeiten im Berg- und Tunnelbau, helfen, steile Hänge mit Beton zu sichern – und sind dafür da, Hochöfen feuerfest „auszukleiden“. Und sie arbeiten, im Gegensatz zu allen anderen Betonspritzmaschinen, fast staubfrei, betont Geschäftsführer Marc Flötgen.

Es gibt zwei Möglichkeiten, Beton zu verarbeiten. Da ist zum einen das sogenannte Nass-Spritzverfahren. Hier liefern Betonlaster fertiges, nasses Material an die Baustelle, das ohne Pause verarbeitet werden muss.

Bild: Zusammenbau einer Betonspritzmaschine
Zusammenbau einer Betonspritzmaschine: Solche Geräte machen auf der Baustelle nahezu staubfreies Arbeiten möglich. Fotos: Moll (3)

Anders beim Trocken-Spritzverfahren, für das die Clever-Maschinen gedacht sind: Dabei wird der Beton erst kurz vor Austritt aus der Düse mit Wasser benetzt. Das trockene Spritzmaterial kann deshalb per Schlauch bis zu 1,5 Kilometer auch an schwer zugängliche Stellen transportiert werden. Verarbeitet wird nach Bedarf, so dass Pausen möglich sind. Die hohe Kunst dabei: ein Materialstrom, der am Spritzkopf optimal mit Wasser vermischt wird. Und das, ohne viel Staub aufzuwirbeln.

„Nichts läuft bei uns auf Pump“

Die Essener bauen aber nicht nur auf Betonspritzmaschinen. Die bringen jeden zweiten Umsatz-Euro. Die andere Hälfte entfällt auf Sondermaschinen wie Kartenkleber für Druckereien und auf Dreh- und Frästeile wie Zahnräder, Wellen und Bolzen.

Bild: Starke Arbeit: Miroslaw Cetnarowski dreht einen Zuteiler
Starke Arbeit: Miroslaw Cetnarowski dreht einen Zuteiler.

Zwar bekam auch Clever 2009 die Krise zu spüren; der Umsatz sank um 20 Prozent auf 2,8 Millionen Euro. Doch das Minus hat der Betrieb gut verkraftet. Marc Flötgen, der kürzlich den Staffelstab von seinem Vater Rüdiger übernahm: „Bei uns steckt kein Pfennig Fremdkapital drin. Nichts läuft auf Pump.“

Entlassungen? Kein Thema! Marc Flötgen: „Wir haben ein enges Verhältnis zu unseren Mitarbeitern. Einige sind schon seit Jahrzehnten bei uns. Die müssen bleiben.“

Er ist guter Dinge, dass es jetzt wieder aufwärtsgeht. Dank des Exports: Seit 2009 gehen Betonmaschinen auch nach Polen und seit 2010 ebenso nach Frankreich. Nun will die Firma Spanien „erobern“.

Gerd Dressen

 

Manchmal der Zeit voraus …

Wer hat’s erfunden, das Autolicht, das auch beim Abbiegen die Fahrbahn ausleuchtet? Clever! Die Firma entwickelte Anfang der 50er-Jahre das „Kurvenlicht“ und montierte es an Adenauers Staatskarosse. Die Entwicklung war ihrer Zeit weit voraus. Und verschwand, leider, wieder in der Schublade.

Wie reinigt man Fensterlamellen? Clever entwickelte in den 90er-Jahren eine „Lamellen-Waschmaschine“, die auch in Serie ging.

Wie kommen tonnenschwere Druckzylinder vom Keller in die Druckerei? Mit einem speziellen Paternoster. Die Essener bauten ihn für einen heimischen Betrieb.