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Ein Besuch bei Höhn zeigt, was Faltschachteln heute alles können müssen

Da steckt mehr drin, als man denkt

Bild: Die Geschäftsführer Lothar Ruhnke (links) und Sebastian Haug.
Höhn liefert nicht nur Verpackungen:
Die Geschäftsführer Lothar Ruhnke (links) und Sebastian Haug mit einem Display im Retro-Stil.

Mit irrem Tempo sausen die fertigen, aber noch flach gedrückten Faltschachteln die letzte Runde auf ihrer Bahn. Druck, Stanze und die Klebemaschine liegen hinter ihnen. Noch ein eleganter Looping dann segeln sie kurz durch die Luft und fallen mit unvermindertem Tempo genau in einen Karton. Bis zu einer halben Million Faltschachteln pro Schicht werden beim Ulmer Spezialisten Höhn so produziert.

Hologramme und glänzendes Haar

Das hohe Tempo und die enorme Stückzahl dürfen freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass die kleinen Schachteln es ganz schön in sich haben. Kaum einer kann sich vorstellen, wie viel gebündeltes Know-how in so einer Faltschachtel steckt, erklärt Lothar Ruhnke. Er ist Chef der Höhn-Gruppe, bei der gut 300 Menschen arbeiten.

Längst kann eine Schachtel mehr, als nur das Produkt vor Schäden und vor Schmutz zu schützen. Dabei geht es zunächst ums Aussehen: Formen und Farben werden durch elegante Prägungen, raffinierte Stanzungen oder Heißfolienkaschierungen aufgewertet. Spezialeffekten durch Glitzer oder Hologramme sind kaum noch technische Grenzen gesetzt.

Umsatz gestiegen
Bild: Maschinenführer Christian Wander
Mehr als 1.000 Schachteln pro Minute: Maschinenführer Christian Wander wacht darüber, dass trotz des Tempos alles glattläuft. In Packungen von Höhn finden sich viele Markenprodukte. Fotos: Scheffler (2), Werk

Die Abbildung von makelloser Haut und glänzendem Haar auf Schachteln für die Kosmetik-Industrie: Das ist eine Art Königsdisziplin, an die sich nur wenige Spezialisten herantrauen, betont Geschäftsführer Sebastian Haug.

Neben dem optischen Anspruch gilt es, viele technische Anforderungen zu erfüllen. So wird bei Medikamenten der Name des Produkts in Blindenschrift eingeprägt. Oft werden Spezialverschlüsse integriert. Jede Schachtel muss präzise an die Produktionsbedingungen des Kunden angepasst werden.

Natürlich sollen die Schachteln transport- und lagerfähig sein, stapelbar, automatengerecht und am Ende: recyclingfähig. Bei all dem muss natürlich auch der Preis noch stimmen, weiß Ruhnke. Bei Höhn wurde daher kräftig investiert: Seit 2000 gab das Unternehmen rund 20 Millionen Euro für neue Maschinen aus.

Ruhnke erklärt: Wir mussten Produktivität und Qualität erhöhen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Modernisierung hat sich gelohnt: Neue Kunden ließen den Jahresumsatz auf rund 30 Millionen Euro steigen. Und die Stammkunden aus dem Markenbereich halten Höhn die Treue einige schon seit mehr als 40 Jahren.

Maja Becker-Mohr