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Eine Branche im Aufschwung: Davon profitieren auch die Beschäftigten

Sprung in die Zeitarbeit

Bild: Auch wer länger arbeitslos war, kann wieder Anschluss finden.
Vermittlungsgespräch: Auch wer länger arbeitslos war, kann wieder Anschluss finden. Foto: fotolia

Der Fall Schlecker machte zu Jahresbeginn Schlagzeilen – und brachte die Zeitarbeit in Verruf. Denn die Drogerie­kette hatte Beschäftigte entlassen und dann in einer hausinternen Verleihfirma als billigere Zeitarbeiter wieder eingestellt.

Der Verdacht liegt nahe, dass Schlecker damit nur das Ziel verfolgte, einer Bezahlung der Stammbelegschaft nach dem höheren Branchentarifvertrag auszuweichen.

Mitarbeiterzahl steigt

Ein solcher Missbrauch ist nach den jüngsten Tarifabschlüssen in der Zeit­arbeitsbranche verboten: Unternehmen dürfen Mitarbeiter nicht entlassen und anschließend als Leihkräfte beschäftigen.

Schlecker war ohnehin eine unrühmliche Ausnahme. Denn in der Regel leihen Unternehmen Arbeitskräfte von speziellen Anbietern, den Zeitarbeitsfirmen. Das hat Vorteile: Die Betriebe können sich kurzfristig mit Leihkräften verstärken, um etwa Großaufträge pünktlich zu erledigen. Flexibilität ist so garantiert. Und die Zeitarbeiter finden eine Beschäftigung. Zudem haben sie die Chance, den Sprung in eine Stammbelegschaft zu schaffen. Die Kritik, Unternehmen wollten mit Zeitarbeit in erster Linie Kosten senken, läuft abgesehen von einer Ausnahme wie Schlecker ins Leere.

Bild: Zeitarbeit bewährt sich als Sprungbrett auf den Markt für Jobs.
Mit Elan: Zeitarbeit bewährt sich als Sprungbrett auf den Markt für Jobs. Foto: getty

Holger Schäfer, Arbeitsmarkt-Experte im Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW), weist darauf hin, dass die Unternehmen ja nicht etwa die Zeitarbeiter entlohnen, sondern die Zeitarbeitsfirmen bezahlen. „Und das kann das Doppelte von dem sein, was der Zeitarbeitnehmer brutto verdient“, sagt Schäfer.

Schlecker hin oder her: Mit der Konjunktur belebt sich jetzt auch die Zeitarbeit. Aktuell beschäftigt die Branche in Deutschland nach eigenen Schätzungen 680.000 Mitarbeiter – Zahlen der Bundesagentur für Arbeit gibt es erst mit Verzögerung.

Ein Blick in die Statistik der Bundesagentur zeigt, dass der bisherige Höchststand mit 823.000 Zeitarbeitnehmern im Juni 2008 erreicht wurde. Dann ging es in der Krise runter bis auf 580.000 im April des vergangenen Jahres. Seitdem steigt die Zahl wieder.

Hartmut Lüerßen, Partner im Marktforschungsunternehmen Lünendonk, hält einen Anstieg auf eine Million bis zum Jahr 2012 für denkbar. „Das hängt allerdings von der wirtschaftlichen Entwicklung ab“, fügt er hinzu.

Mit einer weiter wachsenden Nachfrage rechnet Lüerßen aber auf jeden Fall. „Die Krise hat den Unternehmen deutlich gemacht, dass sie nicht mehr so langfristig planen können.“

Wer aber schon davor Zeitarbeiter eingesetzt habe, der habe vor ein bis zwei Jahren auf die starken Rückgänge von Aufträgen und Produktion schneller reagieren können, berichtet Lüerßen aus seinen Gesprächen mit Unternehmern.

Perspektiven bietet die Zeitarbeit aber auch den Beschäftigten. Vielen öffnet sie die Tür, um auf den Markt für Jobs zurückzukehren. Im ersten Halbjahr 2009 kamen laut Bundesagentur knapp 355.000 Leihkräfte neu hinzu. Fast die Hälfte von ihnen hatte zuvor ein bis zwölf Monate lang keine Beschäftigung. 8 Prozent waren sogar ein Jahr oder länger ohne Arbeit gewesen, 7 Prozent noch nie beschäftigt.

Stammkräfte nicht verdrängt

Insgesamt ist der Anteil der Arbeitnehmerüberlassung in Deutschland aber relativ gering: Auf dem bisherigen Höhepunkt 2008 waren nur etwa 2 Prozent aller Beschäftigten als Leihkräfte tätig. Deutschland liegt damit etwa im europäischen Durchschnitt. Am höchsten sind die Raten in Großbritannien (2008: 4,1 Prozent), in den Niederlanden (2,9 Prozent) und in Frankreich (2,3 Prozent). „Die Bedeutung der Zeitarbeit ist bei uns überschaubar“, sagt IW-Fachmann Schäfer. „Von einer Verdrängung der Stammbelegschaften kann daher keine Rede sein.“

Joachim Herr

Info: Die Marktführer in Deutschland
Rang
Unternehmen
Umsatz 2009
Millionen Euro
Zeitarbeitnehmer
2009
1
Randstad Deutschland, Eschborn
1.320,0
43.500
2
Adecco Germany, Düsseldorf
989,8
33.600
3
Manpower, Frankfurt/Main
451,0
20.500
4
Persona Service, Lüdenscheid
328,0
12.450
5
Auto Vision, Wolfsburg
287,0
6.506
6
7 (S) Personal, Stuttgart
213,0
6.686
7
USG People Germany, München
213,0
7.900
8
ZAG Zeitarbeits-Gesellschaft, Hannover
201,0
8.950
9
Orizon, Augsburg
187,0
6.450
10
TimePartner, Hamburg
174,0
4.500
11
I.K. Hofmann, Nürnberg
164,0
7333
12
Tempton, Essen
160,0
5.100
13
Trenkwalder Personaldienste, München
145,0
5.500
14
Dekra Arbeit, Stuttgart
122,5
3.461
15
Amadeus FiRe, Frankfurt/Main
108,8
1.693
Quelle: Lünendonk