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Patente Idee als Zukunfts-Investition– Sauerländer Firma findet einen neuen Dreh

Schrauben mit Pass

Bild: Karl Hofmann von Kapherr
Karl Hofmann von Kapherr: „ Der Kunde soll über alles Bescheid wissen.“

Rückruf-Aktion beim Volkswagenkonzern: Be-troffen sind Modelle von VW, Audi, Seat und Skoda mit Dieselmotoren. Der Grund: In Einzelfällen kann eine Schraube am Deckel der Kraftstoff-pumpe brechen.

Mögliche Folge: Diesel läuft aus. Also, ab in die Werkstatt!

Das liegt zwar vier Jahre zurück, doch Dr. Karl Hofmann von Kapherr kann sich daran noch gut erinnern. Schließlich hat er täglich mit Schrauben zu tun, als Technischer Geschäftsführer des Lüdenscheider Produzenten Betzer. Und der beliefert auch die Auto-Industrie.

„Wir waren damals zwar nicht betroffen“, sagt der Manager. „Trotzdem haben wir aufgehorcht.“ Denn Hunderttausende Autos in die Werkstätten schicken, kostet den Autobauer viele Millionen – und womöglich das gute Image.

Betzer hat etwas erfunden, das so manche Rückrufaktion auf ein erträgliches Maß verringern könnte: eine Schraube mit einem Produktpass.

EP 1171716 B1 hat es in sich
Bild: Flugzeug
Egal ob Flugzeug, ...

Der befindet sich auf dem Schraubenkopf – als winzigkleiner Matrixcode. Dieser Speicher wird mit einem Laser aufgetragen und beantwortet Fragen wie: Wer hat die Schraube geliefert? Welches Ausgangsmaterial kam zum Einsatz? Wann wurde sie produziert? Mit welcher Härte? In welcher Galvanik?

Abrufbar sind die Informationen per Lesegerät oder Scanner. „Der Kunde soll über alles Bescheid wissen“, erklärt Hofmann von Kapherr.

So kann der Autobauer die Herkunft und den Herstellprozess jeder verwendeten Schraube zurückverfolgen. Und die fehlerhafte Charge exakt identifizieren. Folge: Er braucht nicht mehr die gesamte Modellreihe zurückrufen. Das Betzer-Patent mit der Nummer EP 1171716 B1 bietet aber noch mehr:

Es erleichtert etwa die Montage beim Kunden, da die Schraube auch die Information über das optimale Drehmoment gleich mitliefern kann. Und es gibt noch ein Verkaufsargument: Der Pass als Waffe gegen Fälscher. Die Plagiate sehen zwar dem Original oft zum Verwechseln ähnlich, sind aber meist von schlechter Qualität.

Bombenfest in schwindelnder Höhe
Bild: Stahlbrücke
Stahlbrücke oder..

Betzer geht deshalb auf Nummer sicher: Jede einzelne Schraube erhält eine verschlüsselte Identifikationsnummer. Eine Liste dieser Nummern bekommt der Kunde zugemailt. Tauchen da plötzlich Schrauben mit Codes auf, die nicht auf der Liste stehen, handelt es sich um Fälschungen.

Betzer vermarktet die Neue-rung nicht nur selbst, sondern stellt sie gegen eine Lizenz-gebühr auch anderen Unternehmen zur Verfügung. So wird der Matrixcode-Pass be-reits von einem Partnerunternehmen bei Speyer intensiv genutzt.
Bild: Windkraftanlage
Windkraftanlage: Die Schrauben mit den Informationsspeichern sind ideal für Produkte, bei denen Sicherheit ein zentrales Thema ist. Fotos: Caro, picture-alliance/ZB, Vario Press, Wirtz (3)

Als Zielgruppe der „intelligenten Schrauben“ kommen neben dem Motorenbau die verschiedensten Branchen in Betracht.

Etwa die Luftfahrt: Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn beim Flugzeug Schrauben reißen würden, weil sie falsch angezogen oder von minderer Qualität sind. Fatal wären aber auch fehlerhafte Schrauben in den Chassis schwerer Lkws oder in Stahlbrücken.

In der Windkraftbranche wird die patente Idee bereits eingesetzt: Bei den modernen Windmühlen ist die Verbindung der Rotoren an das Lager in schwindelnder Höhe ein kritischer Punkt. Die muss schließlich auch bei Wind und Wetter bombenfest halten.

Wilfried Hennes

Info: Schrauben Belzer

Das Lüdenscheider Unternehmen produziert pro Tag sieben Millionen Schrauben, vor allem für die Auto- und die Elektro-Industrie. Schrauben Betzer beschäftigt 65 Mitarbeiter. Der Umsatz erreichte im vergangenen Jahr 9,3 Millionen Euro. Jede dritte Schraube geht in den Export.