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Mit der Job-Bilanz können wir uns sehen lassen

Bild: Werner Sülberg
Werner Sülberg, Geschäftsführer des Märkischen Arbeitgeberverbandes

Es ist noch gar nicht lange her, da war Deutschland auf dem Weg in eine Abwärtsspirale. Wachstum gab es nur noch in homöopathischen Dosen, mehr als fünf Millionen Menschen waren arbeitslos. Doch dann passierte das nahezu Unmögliche, die Arbeitslosigkeit sank in nur drei Jahren um mehr als ein Drittel. Zum ersten Mal profitierten davon auch vermeintlich vom Arbeitsmarkt Ausgeschlossene. Deutschland wurde vom kranken Mann zum „Europameister“.

Dieser Aufschwung ging in erster Linie auf das Konto der Unternehmen und ihrer Mit-arbeiter. Erst stabilisierten sich die Betriebe finanziell, dann steigerten sie ihre Investitionen, schufen viele neue Stellen und erhöhten die Einkommen deutlich. In der Metall- und Elektro-Industrie belegen dies über 220.000 neue Stammarbeitsplätze in zwei Jahren und rund 9 Prozent Lohnerhöhung in knapp drei Jahren eindrucksvoll. Dennoch: Damals wie heute wird Arbeitslosigkeit als das größte Übel gesehen, und deswegen bleibt unser Ausgangspunkt unverändert, dass sozial ist, was Arbeit schafft.

Leider teilen die Gewerkschaften diesen Befund noch weniger als früher. Ihnen ist die Arbeit, die wir schaffen, nicht gut genug, weder hinsichtlich der Sicherheit noch hinsichtlich der Arbeitsinhalte und der Bezahlung. Das hat die jüngste Auflage des DGB-Indexes „Gute Arbeit“ deutlich gemacht. Danach hat der ganz überwiegende Teil der Arbeitnehmer in Deutschland keine „gute Arbeit“. Dies ist ein Zerrbild – und Zerrbilder sind gefährlich. Denn auf ihrer Basis werden Entscheidungen getroffen, die in die falsche Richtung laufen, weil sie die moderne Arbeitswelt vor allem bei jungen Leuten in Misskredit bringen.

Was sind die Tatsachen? In weiten Bereichen unserer Wirtschaft sind neue Formen der Arbeitsbeziehungen entstanden. Ihre Kennzeichen sind mehr Selbstbestimmung und Eigenverantwortung im Arbeitsablauf; zur Motivation dienen Zielvereinbarungen, bei deren Ausgestaltung der Einzelne große Freiheitsgrade hat, und Prämiensysteme.

Die Unternehmen bemühen sich mehr denn je darum, die Mitarbeiter durch Arbeitsinhalte, -bedingungen und Einkommen zu motivieren. Viele Arbeitnehmer profitieren von veränderten Aufgabenstellungen, von Vielseitigkeit und Weiterentwicklung und wünschen sich in unserer sehr viel offeneren Welt genau diese Offenheit und Veränderungsmöglichkeit. Doch genau damit kommen die Gewerkschaften nicht klar. Sie halten an ihrem „Ideal“ des Einheitsarbeitnehmers fest und sehen die Arbeitnehmer als Opfer und Spielball der Unternehmer.

Natürlich bemerken wir die zunehmende Spreizung der neuen Arbeitswelt. Nicht jeder konnte Schritt halten mit den neuen Technologien. Darüber hinaus haben sich durch die offenen Grenzen rund zwei Milliarden Menschen mehr in den weltweiten Arbeitsmarkt eingeklinkt. Dies hat notwendigerweise zu einem größeren Druck auf einfacher Qualifizierte geführt. Und so bleiben trotz des Aufschwungs geringer Qualifizierte und Ältere Sorgenkinder.

Um diese Problemgruppen müssen wir uns als Arbeitgeber stärker kümmern. Am zweckmäßigsten mit unserem Sozialpartner. Doch betrachtet man die jüngsten Kampagnen der Gewerkschaften – beispielsweise für Mindestlohn und gegen Zeitarbeit – scheinen DGB und besonders die IG Metall trotz des Aufschwungs auf dem Arbeitsmarkt ihre ganze Energie auf Miesmacherei zu verwenden. Dabei sollten sie besser zeigen, dass dies auch ihr Erfolg gewesen ist. Leider ist das Gegenteil der Fall. Schade für uns alle.