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Dr. Heinz-Siegmund Thieler über erfolgreiche Nachwuchsförderung

Mehr Ausbildung wagen

Bild: Dr. Heinz-Siegmund Thieler
Dr. Heinz-Siegmund Thieler, Hauptgeschäftsführer des Unternehmensverbandes der Metallindustrie für Dortmund und Umgebung

Viele junge Menschen blicken voller Pessimismus in die Zukunft. Wir kennen die Negativ-Meldungen, mit denen – häufig sogar bewusst – Ängste geschürt werden. Da gibt es angeblich viel zu wenige Ausbildungsplätze, anderseits wird über die zunehmende Zahl von Schülern geklagt, die nicht reif für eine Lehre sind. Und dazu malen die Medien auch noch gern das Schreckgespenst Altersarmut an die Wand, als Folge einer zu schlechten Ausbildung. Da kann man doch nur traurig werden.

Vieles ist in der Vergangenheit in Sachen Schule und Ausbildung schiefgelaufen. Wir sollten uns jetzt aber nicht mit Schuld­zuweisungen aufhalten. Sondern die Probleme anpacken. Alle, Eltern, Lehrer und Ausbilder, sind gleichermaßen aufgerufen, sich noch intensiver um den Nachwuchs zu kümmern.
Wie das funktionieren könnte?

Wir, die Dortmunder Unternehmensverbände, finden das Thema so wichtig, dass wir eigens zu diesem Zweck vor Jahren die Agentur für Berufbildung (AfB) gegründet haben. Und die war von 2005 bis 2007 der regionale Träger des Projekts „ABBEO“.

21 Schulen mit mehr als 6.000 Schülern sind so zielgerichtet von uns betreut worden. Durch systematische und frühzeitige Hilfen haben wir Ausbildungsreife und Berufswahlorientierung dieser jungen Leute in den Schulen gefördert.

Intensiv sind die Jugendlichen ab der achten Jahrgangsstufe in der Pflichtschulzeit auf das Berufsleben vorbereitet worden. Denn das ist für uns das Wichtigste: Wir wollen ihnen nach dem Abschluss nahtlos und ohne weitere Warteschleifen eine Ausbildung im dualen System anbieten. Nur ist das Projekt ABBEO, das von der Europäischen Union, dem Land Nordrhein-Westfalen und der Bundesagentur für Arbeit gefördert wurde, trotz erster Erfolge nach drei Jahren beendet worden. Leider.

Doch wir machen weiter: Für unser Projekt „Neue Brücken in den Beruf“ (NBB), das im Jahre 2008 an den Start ging, haben wir erfolgreiche Bausteine von ABBEO übernommen. Wir setzen die Zusammenarbeit mit Schulen und Unternehmensvertretern fort, erweitern sie sogar noch.

Zurzeit nutzen rund 90 Prozent aller weiterführenden Schulen in Dortmund das Projekt. Pro Jahr durchlaufen 10.000 Schüler die kostenfrei angebotenen Module „Potenzialanalyse“, „Einstellungstest“ und „Kommunikationsknigge“. Die Initiative „Neue Brücken in den Beruf“, die von uns bis ins Jahr 2010 geplant ist, wird zu gleichen Teilen von der Agentur für Arbeit Dortmund und dem Unternehmensverband der Metallindustrie für Dortmund und Umgebung finanziert.

Mit dem Projekt „Dritter Weg in der Berufsausbildung“, das wir 2006 begonnen haben, wenden wir uns an motivierte Jugendliche, die aufgrund ihres bisherigen Werdegangs kaum eine Chance auf eine Ausbildung haben. Alle zwei Jahre machen wir sechs jungen Menschen das Angebot, sich bei unserer AfB zum Teilezurichter ausbilden zu lassen. Mit hohem zusätzlichem Aufwand ist es uns gelungen, die meisten dieser Jugendlichen zu einem erfolgreichen Ausbildungsabschluss zu bringen und ihnen darüber hinaus eine weiterführende Ausbildung zu ermöglichen. Dieses Projekt wird ebenfalls durch die Europäische Union und das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW gefördert.

Wir wollen mit diesen Beispielen zeigen, dass es sich lohnt, mehr in den Nachwuchs zu investieren. Und so auch zum Nachahmen anregen.