Betriebe klagen über mangelnde Ausbildungsreife der Jugend
Rechnen,
Schreiben –
keine
Ahnung ...
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| Rechnen mangelhaft: Für die Unternehmen wird es immer schwieriger, ihre Lehrwerkstatt mit gutem Nachwuchs zu füllen.
Fotos: plainpicture, Sandro |
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Fangen wir einfach an: „Neun minus vier
ist gleich...?“ Sie kriegen Hilfe – wie beim Millionen-Quiz von Günther Jauch: Ist
das „zwei“, „drei“, „fünf“ oder „neun“? Es klingt so einfach.
Und trotzdem: „Viele junge Leute scheitern an solchen simplen Rechenaufgaben, wenn sie sich bei uns um einen Ausbildungsplatz bemühen“, sagt Reiner Scheidt, Ausbildungsleiter des Reifen-Herstellers Michelin im Werk Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz). Insgesamt fallen im Test gut zwei Drittel der bis zu 300 Bewerber durch. „Es fehlt ihnen an Basiswissen“, sagt Scheidt.
Wird die Jugend immer dümmer? Es sieht so aus. In einer aktuellen Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar monierten 65 Prozent der befragten Betriebe „mangelnde Ausbildungsreife“ der Bewerber. Auch bei der letzten Umfrage der IHK München brachte von 7.600 befragten Ausbildungsunternehmen jedes zweite diese Klage vor. Und Frank Horch, Präses der Handelskammer Hamburg, sieht hier gar das „Ausbildungshemmnis Nummer eins“: 56 Prozent der befragten Betriebe ließen 2007 in Hamburg Lehrstellen unbesetzt.
Ein Ei kostet 32 Cent:
Was kosten sechs Eier?
Was die Firmen besonders vermissen: „mündliches und schriftliches Ausdrucksvermögen“ sowie „elementare
Rechenfähigkeiten“. Bei Michelin zum Beispiel müssen die Kandidaten möglichst viele Aufgaben in kurzer Zeit lösen. „Daran erkennen wir das Zahlenverständnis“, erklärt Ausbildungsleiter Scheidt. Also: „43 mal 7 ist...?“ Oder: „Wenn man für ein Ei 32 Cent zahlt, was kosten dann sechs Eier?“
Zudem müssen die Kandidaten Adressen vergleichen (Deutsch) und Formen zuordnen (Geometrie). „Auch an diesen Aufgaben scheitern die meisten“, bedauert Scheidt. Für den Missstand macht er die Schulen und die dahinterstehende Ministerialbürokratie verantwortlich: „Die Grundrechenarten und Arbeitsmethoden kommen in den Lehrplänen viel zu kurz!“
Der Technologiekonzern ABB aus Mannheim hat ähnliche Probleme: Die Zahl seiner Ausbildungsplätze steigt zweistellig, aber gleichzeitig sinkt die Eignung der Anwärter: „Wir müssen jedes Jahr Abstriche beim Test machen, um genügend Bewerber zu bekommen“, so Marcus Braunert,
Geschäftsführer des ABB Training Center.
Für die aktuell 150 Azubi-Plätze in der Region flatterten ihm bereits 2.840 Bewerbungen auf den Tisch. Fast alle Kandidaten durften zum Test. „Viele können nicht einmal die Addition von ein Halb und ein Viertel“, sagt der Ausbilder.
Weder Disziplin
noch Umgangsformen
Oder: Der Kandidat muss erkennen, in welche Richtung sich aufgemalte Zahnräder drehen. Und in eine Reihe Vierecke zwei senkrechte und zwei waagerechte Striche malen. „Das müsste eigentlich jeder schaffen“, findet ABB-Manager Braunert. Traurig: Nach sechs Stunden Prüfung erreicht nur jeder zehnte Bewerber ein gutes Ergebnis.
Neben Basiswissen mangelt es dem Nachwuchs auch an Leistungsbereitschaft, Motivation, Disziplin, Umgangsformen und Belastbarkeit, meinen die Ausbilder. Braunert: „Unsere Mitarbeiter stehen immer weniger an der Werkbank, sie haben auch Kontakt zu Kunden. Da muss das Auftreten stimmen!“
Sabine Latorre
Azubis legen zu
Von den 15- bis 20-Jährigen ist jeder vierte zu dick. Das zeigt die „Nationale Verzehrstudie“ der Bundesregierung – und es ist ein Thema, über das auch Personalleiter in den Betrieben zunehmend klagen: Die Azubis in Deutschland legen mächtig zu. Sie fehlen im Schnitt häufiger krankheitsbedingt als ihre älteren Kollegen, ermittelten die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK). Im Kampf gegen die Pfunde helfen die Firmen mit. Audi in Ingolstadt bietet Azubis das Vorsorge-Programm „Fit4u“. Ähnlich steuern etwa Bosch, Daimler und der Technologie Konzern Heraeus gegen.
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