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Ein gebürtiger Libanese versorgt vom Rheinland aus die Welt mit Zapfanlagen

Sie setzen dem Pils die Krone auf

Bild: Richard Kuder
Einer von 170 Arbeitsplätzen: Hier verlötet Richard Kuder Zapfanlagen. Die werden weltweit verkauft.

So stellen wir uns als Biertrinker die Hüter des reinen deutschen Gerstensaftes vor: Da sitzen in Ehren bei Hopfen und Malz ergraute Braumeister zusammen und achten auf die Einhaltung der guten Sitten bei Braukunst. Und beim Bierausschank. Jetzt ist es an der Zeit, ein paar lieb gewonnene Vorstellungen gerade zu rücken.

60.000 Anlagen im Jahr

Der Mann, der weit über die Hälfte der Zapfanlagen für die deutsche Gastronomie baut – und damit über Druck, Temperatur und Fließgeschwindigkeit des Bieres mitbestimmt, stammt nicht aus München, Warstein oder Bitburg. Nein, er ist gebürtiger Libanese! Er heißt Max Taha und ist Chef von IMI-Cornelius in Langenfeld.

Um gleich reinen Wein einzuschenken – auch der fließt heute wohltemperiert aus Zapfhähnen der Firma: In der kleinen Stadt zwischen Kölner Kölsch und Düsseldorfer Altbier hat der IMI-Engineering-Konzern sein weltweites Zentrum für Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Getränkeausschanktechnik. Und dieser Konzern beschäftigt rund um den Globus gut 20.000 Menschen in 125 Firmen.

Bild: Geschäftsführer Max Taha
Geschäftsführer Max Taha: „Nur sechs Sekunden braucht ein gut gezapftes Pils!“, bringt er alte Bier-Weisheiten ins
Wanken.

Rund 170 davon produzieren in Langenfeld mehr als 60.000 Zapfanlagen pro Jahr, und die kommen weltweit zum Einsatz. Allein für die WM in Südafrika fertigte die Cornelius-Truppe 1.000 Anlagen. Taha: „Es gibt kein Stadion, in dem die Getränke nicht aus unseren Hähnen fließen.“ Die sind mit oder ohne Alkohol, auch Mineralwässer laufen da durch. Und das nicht nur in Kneipen und Restaurants, sondern auch im heimischen Party-Keller und sogar in Krankenhäusern.

Eine „besondere strategische Bedeutung“ für die Zukunft habe, so Taha, der „Bereich Health and Wellness“, also Gesundheit und Wohlfühlen. Weg vom Alkohol, hin zu Säften und Wässerchen aller Art. Denn um Weltmarktführer mit 67 Prozent Anteil zu bleiben, muss man der Konkurrenz immer ein Stück voraus sein.

Dank Elektronik stets flüssig

Bild: Michael Stegmann
Mann mit Durchblick:
Michael Stegmann bei der Montage der Kühlschlangen. Fotos: Mol (4)
Bild: Peter Schmidtke
In Reih und Glied: Peter Schmidtke baut Zapfanlagen zusammen. Aus denen fließen, ganz trendy, auch „Wellness“-Wässerchen.

Taha gerät ins Schwärmen über Kühlanlagen, die Flaschenbier von lauwarmen 32 Grad in 3 Minuten auf minus 2 Grad herunterkühlen, damit der südamerikanische Gaumen seine Freude daran hat. Er berichtet davon, dass Trinkwasser mit Sauerstoff angereichert wird, weil dies dem Wohlbefinden und der Leistungsfähigkeit zuträglich ist.

Dann erzählt er, dass der Zapfhahn dank IT-Technologie und eigenentwickelter Software immer intelligenter wird, erkennt, wie viel wovon in welcher Zeit durchgeflossen ist. Und der bei Bedarf beim Lieferanten Nachschub ordert. Wobei Hightech auch dem Umweltschutz dient: Dank „Green Technology“ verbrauchen Cornelius-Anlagen heute 70 Prozent weniger Energie als noch vor zehn Jahren.

Nicht zuletzt wegen der Innovationsfreude brummt das Geschäft. Viele Mitarbeiter machen inzwischen sogar Überstunden. Unterstützt werden sie von 20 Zeitarbeitnehmern.

Unternehmenszahlen hin, technische Finessen her – am Ende geht es immer um ein schmackhaftes Getränk. Taha philosophiert über Kohlendioxid-Gehalt, Selbsterhaltungs-, Eigen- und Fließdruck des Gerstensaftes.

Und wie ist das mit dem Sieben-Minuten-Pils? Taha: „Quatsch! Ein gut gezapftes Bier braucht sechs Sekunden. Nach sieben Minuten ist es doch schal.“

Gerd Dressen

 

Info: Bier-Barometer

Eines steht fest. Ein ordentliches Bier braucht eine bestimmte Temperatur, damit es seinen Geschmack voll entfalten kann. Cornelius-Geschäftsführer Max Taha kennt die deutschen Wohlfühlwerte: Bei Pils, Kölsch und Weizenbier sind es sechs Grad Celsius, bei Altbier acht. Er weiß auch, wie es die europäischen Nachbarn mögen: Briten, Belgier, Luxemburger und Niederländer etwa trinken am liebsten drei Grad kalten Gerstensaft.