Die Zahl der Frauen und Männer
in biblischem Alter steigt.
Forschung und Entwicklung tragen dazu bei, dass die Menschen immer älter werden.
Wie das geschieht, lesen Sie hier.
Fortschritt für die „Generation 100“
Wir zeigen das Blatt eines Abreißkalenders. Auf den ersten Blick nichts Besonderes. Doch wenn Sie näher hinschauen, erkennen Sie: Das Blatt weist 100 Jahre in die Zukunft: „14. August 2110“.
Ein Baby, das im Jahr 2010 das Licht der Welt erblickt, hat gute Chancen, diesen Tag noch zu erleben. Denn die Lebenserwartung nimmt weiter zu – nicht zuletzt dank der Hightech-Medizin.
Zahl der 100-Jährigen
steigt rasant
Bei den jetzt geborenen Mädchen beträgt sie im Schnitt schon 92,7 Jahre,
bei den Jungen 87,6 Jahre. Wobei jeder vierte neue Erdenbürger gar 100 Jahre oder noch älter wird. Das
hat Eckart Bomsdorf, Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Universität Köln, in einer Studie errechnet.
Seine Untersuchung bietet aber auch eine gute Nachricht für die Älteren: Demnach werden von den heute lebenden 50-Jährigen voraussichtlich 100.000 das gesegnete Alter von 100 erreichen. Damit würde sich die Zahl der 100-Jährigen hierzulande innerhalb der nächsten 50 Jahre fast verzwanzigfachen.
Frauen mit Kindern
leben länger
Das Beste: Wir werden nicht nur älter, sondern bleiben auch länger gesund. Weil sich dank besserer Vorsorge-Untersuchungen und Medikamente viele Krankheiten immer weiter hinauszögern lassen. Zu diesem Ergebnis kommt das Forschungsprojekt „Altern in Deutschland“.
Daran wirkten Wissenschaftler der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und der Deutschen Akademie der TechnikWissenschaften mit: „Die durchschnittliche gesunde Lebenszeit jenseits des 65. Lebensjahres ist allein in der Dekade der 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts um zweieinhalb Jahre für Männer und um eineinhalb Jahre für Frauen gestiegen“, schreiben die Autoren. Gesundheit ist freilich auch eine Frage der Ernährung – und der sozialen Kontakte, wie eine Studie des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels zeigt: So verlängern Kinder die Lebenserwartung der Frauen um immerhin 3,2 Jahre.
Sportlich spitze bis ins hohe Alter
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| 100-jährige Australierin Ruth Frith. Foto: Getty |
Sie hat elf Enkel. Doch
gegen diese Oma, die da gerade mit dem Speer
trainiert, sehen viele Sportler ziemlich alt aus: Die 100-jährige Australierin Ruth Frith hatte im Oktober 2009 in Sydney bei den World Masters Games, dem weltweit größten Breitensport-Event, gleich drei Medaillen abgeräumt: im Hammerwurf, Kugelstoßen und Diskuswerfen – sie war als Einzige ihrer Altersklasse 100 bis 104 Jahre angetreten. Trotz ihres hohen Alters
trainiert Ruth Frith fast
täglich. Sie schwimmt, fährt
Rad und macht Hantelübungen. Ihre Hantelbank hat sie
sich zum 96. Geburtstag gewünscht. Beim Bankdrücken schafft sie
35 Kilo.
Arbeit
immer sicherer
Im vergangenen Jahr ereigneten sich in Deutschland
468 tödliche Arbeitsunfälle.
1948 waren es noch fast 5.000.
Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung |
Medizintechnik: Mini-Pumpe verhindert den Erstickungstod
Apparate-Medizin:
Hightech Made in Germany
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| Winzig: Diese Pumpe von Schwarzer Precision wiegt
36 Gramm. |
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| Im Einsatz: Siemens produziert ein 700 Gramm leichtes Ultraschallgerät, das in eine Jackentasche passt. Fotos: Siemens, Roth |
Egal ob Arztpraxis, Operationssaal oder Labor: Ohne Hightech-Apparate läuft nichts. Und die kommen meist aus Deutschland.
Rund 1.200 Unternehmen stellen hierzulande Produkte für die Medizintechnik her. Die Branche investiert kräftig in Forschung und Entwicklung: Im vergangenen Jahr war das jeder elfte Umsatz-Euro von insgesamt 18,8 Milliarden Euro.
Einige Beispiele für die Innovationskraft dieser Industrie:
Die Essener Firma Schwarzer Precision stellt eine Pumpe her, die nur 23 mal 34 mal
41 Millimeter groß ist und
36 Gramm wiegt. Das Mini-Teil wird in Beatmungsgeräte eingebaut. Die sind für Patienten mit einer Lungenfunktionsschwäche überlebenswichtig. Mit einem Druck von nur vier Millibar unterstützt die Pumpe den Atemreflex. Und verhindert so den Erstickungstod.
Der Siemens-Konzern baut eines der kompaktesten Ultraschallgeräte der Welt – ein Leichtgewicht von 700 Gramm, das der Notarzt in die Tasche seines Kittels packt. Mit dem Gerät kann er direkt am Unfallort lebensbedrohliche innere Verletzungen feststellen und eine gezielte Behandlung im Krankenhaus einleiten. Ein Meilenstein der Medizintechnik ist auch das neue Ultraschall-System von Siemens zum Erkennen von Herzmuskel- oder Herzklappenerkrankungen. Innerhalb eines Herzschlags, also nur einer Sekunde, stellt das Gerät das komplette Organ dreidimensional dar. So lässt sich in rascher Folge jede pulsierende Bewegung erkennen.
Und Leica Microsystems in Wetzlar hilft mit, dass der Nachwuchs gesund auf die Welt kommt. Neuer Clou: Ein Mikroskop mit integrierter Autofocus-Videokamera, das der Chirurg am Kopf trägt. So sieht er seine Eingriffe beim Kaiserschnitt in Vergrößerung und hat alle Hände frei.
Hygiene: Silber wehrt Bakterien ab
Winzig kleine Partikel als Schutz– etwa für Operationsinstrumente
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| Hightech-OP (in Leipzig): Hier sind die Anforderungen an die Hygiene extrem streng. Foto: picture-alliance/ZB |
Krankheitserreger lauern überall. Silberpartikel helfen, sie einzudämmen.
Auf die schützende Wirkung von Silber setzten schon unsere Vorfahren: Im Mittelalter „verordnete“ der Vatikan silberne Messkelche, damit sich Krankheiten nicht ausbreiten. Heute nutzt die Industrie die antimikrobielle Wirkung: „Wir statten Materialien und Oberflächen mit einem medizinisch langfristig wirksamen Schutz gegen Bakterien, Pilze und andere Krankheitserreger aus“, erklärt Michael Wagener, Vorstand von Bio-Gate, Anbieter innovativer Lösungen für antimikrobielle Materialien aus Nürnberg: „Dazu nutzen wir winzig kleine Silberpartikel. Die geben Silberionen ab, die wichtige Funktionen der Mikroorganismen stören und so die Bakterien angreifen.“
In Farben für Wandanstriche ist Mikrosilber ideal, etwa für Krankenhäuser. Eingearbeitet in Standardkunststoffe eignen sich die antibakteriellen Werkstoffe unter anderem für OP-Instrumente, Schläuche, Implantate und Prothesen.
Ernährung
immer vielfältiger
Bananen, Zitronen, Apfelsinen, Kiwis, Ananas: Längst vorbei sind die Zeiten, als Südfrüchte aus fernen Ländern reiner Luxus waren. Zuletzt (Stand 2008) importierte Deutschland
2.840.000 Tonnen.
Quelle: Statistisches Bundesamt |
Arzneimittel: Wirkstoff bremst Zellteilu ng
Neues Medikament kann
Wachstum eines Tumors aufhalten
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| Röntgenbilder einer Brust: Forscher fanden ein Mittel
gegen fortgeschrittenen Brustkrebs. Foto: keystone |
Die Diagnose Krebs glich früher einem Todesurteil. Heute machen es Medikamente zunehmend möglich, mit der Krankheit zu leben. Dazu gehören sogenannte zielgerichtete Krebsmedikamente. Sie unterbinden die Weitergabe von Teilungssignalen zwischen den Zellen. So lässt sich das Wachstum eines Tumors aufhalten.
Auch Medikamente, die Zellen direkt am Teilen hindern, werden dringend gesucht. Forscher testen dafür geeignete Naturstoffe etwa aus Bodenbakterien oder dem Meer. Ein Beispiel:
Vorbild für einen neuen Wirkstoff gegen fortgeschrittenen Brustkrebs ist der im Meer lebende Schwamm „Halochondria okadai“. Er produziert den speziellen Naturstoff „Halichondrin B“.
Im Labor erkannten die Forscher des Pharma-Unternehmens Eisai, das seinen deutschen Hauptsitz in Frankfurt hat, schnell die hohe Wirksamkeit des Mittels gegen die Vermehrung von Tumorzellen. Doch aus Schwämmen ließ sich nicht genug davon gewinnen. Deshalb entwickelten die Wissenschaftler eine chemische Variante („Eribulin“): „Eribulin-Moleküle sind ein Drittel kleiner, haben aber die volle Wirksamkeit des natürlichen Vorbilds“, sagt Rolf Hömke vom Verband der
forschenden Pharma-Unternehmen in Berlin. Derzeit läuft das europaweite Zulassungsverfahren für die Brustkrebsbehandlung. Außerdem prüft man in Studien seine Eignung gegen Lungenkrebs, Prostatakrebs und Sarkome.
Pflege & Service: Rollender Roboter bedient unsere Senioren
Helfer aus Stahl unterstützen Pflegekräfte
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| Kam gut an:
Der Fraunhofer-Robi in einem Stuttgarter Altenheim. Foto: Fraunhofer-Institut |
Die Pflegebranche schlägt Alarm. In den kommenden zehn Jahren braucht sie 300.000 zusätzliche Kräfte, um den steigenden Pflegebedarf zu sichern. Dabei hat sie schon heute Probleme, Personal zu finden.
Was also tun, wenn Helfer fehlen? Eine Lösung: Einsatz von Pflege-Robotern. Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart haben einen solchen entwickelt.
Der „Care-O-bot“ ist in der Lage, sich sicher unter Menschen zu bewegen, typische Haushaltsgegenstände zu erkennen und zu greifen. Er kann so als elektronischer Butler etwa Getränke servieren.
Noch ist der neuartige Pfleger nicht reif für die Serie, aber der Prototyp wurde schon in einem Stuttgarter Altenheim getestet. „Die Bewohner haben durchweg positiv reagiert“, so Birgit Graf, beim Fraunhofer-Institut Leiterin der Gruppe Haushalts- und Assistenzrobotrik.
Verkehr: Auto-Elektronik warnt vor dem Crash
Bald können unsere fahrbaren Untersätze sich untereinander verständigen
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| Alle wissen Bescheid: Zukünftig werden die Verkehrsteilnehmer vernetzt. Das schützt
vor bösen Überraschungen. Foto: CAR 2 CAR Communication Consortium |
Ein infernalisches Krachen, dann Totenstille: Im vergangenen Jahr kamen auf unseren Straßen 4160 Menschen ums Leben. Das sind zwar so wenige wie noch nie. Trotzdem: Jedes Opfer ist eines zu viel. Deshalb tüfteln Deutschlands Autobauer an immer besseren Sicherheitssystemen.
Ein Beispiel ist der neue Brems-Assistent von Bosch, der im Audi A8 mitfährt. Das System könnte nach Angaben des Auto-Zulieferers fast drei Viertel aller Auffahrunfälle mit Personenschaden verhindern. Denn Auswertungen einer deutschen Unfall-Datenbank durch das Unternehmen haben ergeben, dass gut ein Drittel der Unfall-Verursacher gar nicht und die Hälfte zu schwach bremst.
Und so funktioniert der Assistent: Er beobachtet den Verkehr vor dem Fahrzeug mit Radar- und teilweise auch Video-sensoren. Macht er ein potenzielles Hindernis aus, so warnt er den Fahrer erst akustisch oder optisch, dann mit einem kurzen Bremsruck. Reagiert der nicht, löst das System eine Vollbremsung aus. Doch das ist erst der Anfang: Längst arbeitet die Auto-Industrie an Sicherheitssystemen, bei denen die Fahrzeuge sich untereinander verständigen. Mit dabei sind unter anderem Audi, BMW, Ford und Opel sowie Bosch und Continental.
Eine scharfe Kurve, direkt dahinter ein liegengebliebener Riesenlaster – zum Glück kommt eine elektronische Information vom Gegenverkehr. Die intelligente Vernetzung warnt auch vor Stau-Enden. Und vor Geisterfahrern. Pro Jahr melden die Radiosender 2000 Falschfahrer auf deutschen Autobahnen. Oft zu spät, die Folgen eines Zusammenpralls sind meist tödlich.
Schon 2012 soll das Forschungsprojekt abgeschlossen sein. Es wird also nicht mehr lange dauern, bis die ersten Autos mit dieser Technik unterwegs sind.
Luft
immer sauberer
Seit 1990, dem Jahr der Wiedervereinigung, ist der jährliche Schwefeldioxid-Ausstoß bei uns um gut 90 Prozent zurückgegangen. Die Schwermetall-Emissionen nahmen um
rund 70 Prozent ab.
Quelle: Umweltbundesamt |
Rettungsdienst: Himmelsleiter hilft aus der Feuer-Falle
Sie lässt sich bis zu 60 Meter ausfahren – so lang ist keine andere
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| Wenn Helfer hoch hinaus müssen: Iveco Magirus baut die längste Drehleiter der Welt.
Foto: Iveco Magirus |
Pro Jahr kommt es bei uns zu 200.000 Bränden in Wohnhäusern, Bürogebäuden, Fabriken. Rund 600 Menschen kommen dabei ums Leben.
Damit die Feuerwehr Personen auch aus größten Höhen retten kann, baut das Ulmer Unternehmen Iveco Magirus jetzt Drehleitern, die sich bis zu 60 Meter ausfahren lassen – die längsten der Welt. Montiert werden sie auf Lastwagen, die bis zu
410 PS haben. Inzwischen liefert sich der Marktführer einen Wettkampf mit der Firma Metz Aerials aus Karlsruhe. Dieses Unternehmen hat angekündigt, sogar eine
62-Meter-Leiter zu bauen.
Fitness: Kraftmaschinen bekämpfen
Rückenschmerzen
Die Hersteller von Trainingsgeräten
halten uns in Bewegung
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| An der Mucki-
Maschine: Krafttraining stärkt das Kreuz, beugt Rückenbeschwerden vor.
Foto: Roth |
Hierzulande ist jeder zweite Erwachsene zu dick. Diabetis, Herzerkrankungen und Schädigungen der Knochen können die Folge von starkem Übergewicht sein.
Deshalb trainieren viele ihren Speck weg: etwa im Fitness-Studio. Und die Firma gym80 International in Gelsenkirchen zählt zu den Unternehmen, die Fitness-Tempel mit Trainingsgeräten ausstatten.
Der führende Hersteller fertigt seine Mucki-Maschinen ausschließlich in Deutschland. Der Stahl dafür kommt aus deutschen Hochöfen. Kraftsport kann vor Rückenschmerzen schützen, an denen zwei Drittel der Bevölkerung zumindest gelegentlich leiden. Eine Studie in 119 Fitness-Studios von Kieser ergab: Schon nach einem halben Jahr Krafttraining war jeder dritte Betroffene beschwerdefrei.
Für Sport ist es übrigens nie zu spät: Wer erst mit 50 anfängt, kann seine Lebenserwartung um bis zu fast vier Jahren erhöhen, ergab eine schwedische Langzeitstudie.
Texte: Wilfried Hennes, Barbara Auer, Maja Becker-Mohr, Sabine Latorre, Eva Schröder |