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Das Erreichte nicht aufs Spiel setzen!

Bild: Stephan Stracke
Stephan Stracke zur beginnenden Tarifrunde in der deutschen Metall- und Elektro-Industrie

Die Frankfurter IG Metall-Zentrale hat jetzt den Hammer aus der Schublade geholt: Ihre Tarif-Forderung für die mehr als 3,6 Millionen Mitarbeiter der deutschen Metall- und Elektroindustrie (M+E) ist nicht nur deutlich höher als bei der letzten Runde im vergangenen Jahr; 2007 waren es immerhin 6,5 Prozent. Wegen der schlechter gewordenen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist sie auch völlig überzogen.

Deshalb dürften die in diesem Monat beginnenden Tarif-Verhandlungen äußerst schwierig werden, schließlich liegen die Vorstellungen von IG Metall und M+E-Arbeitgeberverbänden meilenweit auseinander.

Die Unternehmen im Olper Land können die hohe Forderung nicht nachvollziehen. Die Mitarbeiter der M+E-Industrie haben schon in den vergangenen Jahren von der guten Konjunktur profitiert – weitaus mehr als andere Branchen. Einen „Nachholbedarf“ gibt es in den Augen unserer Mitgliedsfirmen deshalb nicht.

Und kommt es jetzt, da sich das Ende des jahrelangen konjunkturellen Aufschwungs abzeichnet, zu einem überhöhten Abschluss, könnte das die Gefahr eines Abschwungs noch verschärfen.

Aber werfen wir einen Blick zurück: Die M+E-Industrie im Kreis Olpe und auch in ganz NRW hat sich in den letzten Jahren prächtig entwickelt. Es entstanden viele neue Arbeitsplätze, und auch die Zahl der industriellen Ausbildungsstellen nahm kräftig zu. Im August 2008 herrschte beispielsweise im Kreis Olpe bei einer Arbeitslosenquote von 3,9 Prozent praktisch Vollbeschäftigung.

Bundesweit sind seit 2004 in den M+E-Betrieben rund 234.000 neue Stammarbeitsplätze geschaffen worden. Aufgrund der guten Konjunktur war es möglich, die Beschäftigten daran teilhaben zu lassen: Ihre Entgelte sind in den beiden zurückliegenden Jahren doppelt so stark gestiegen wie die der Beschäftigten in den anderen Wirtschaftszweigen.

Dass davon netto nicht so viel angekommen ist, hat andere Gründe: hohe Energiepreise, Inflation und der Staat. Er ist mit seiner „kalten“ Steuerprogression und der fortwirkenden Mehrwertsteuererhöhung vom vergangenen Jahr mit dafür verantwortlich.

Vor ein paar Monaten hat sich der konjunkturelle Wind für die Unternehmen allerdings allmählich gedreht. Die Auftragseingänge haben sich abgeschwächt. Hinzu kommt, dass Rohstoffe und Energie deutlich teurer geworden sind.

Da die Betriebe diese Kostensteigerungen kaum über die Preise weitergeben können, geht das zu Lasten der Gewinne. Und auch der schwache Dollar erschwert zunehmend die Geschäfte – mit den USA, aber auch mit vielen Staaten in Asien, die ebenfalls in Dollar abrechnen. Das alles hat nichts mit Panikmache der Unternehmer zu tun, wie es die IG Metall verbreitet, das sind nachvollziehbare Fakten!

Vor diesem Hintergrund brauchen wir in der Tarifpolitik Besonnenheit und Augenmaß. Nun gilt es, einen Beitrag zu leisten, damit das Geschaffene gesichert werden kann. In der anstehenden Tarifrunde werden Vereinbarungen für die Zukunft getroffen. Überzogene, hausgemachte Belastungen für die Unternehmen sollten unbedingt vermieden werden, um deren Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten nicht zu beeinträchtigen. Ansonsten würden wir den Beschäftigungszuwachs leichtfertig aufs Spiel setzen.