TNS-Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner über
deutsche Befindlichkeiten – und mögliche Antworten der Politik Gute Wirtschaft,
schlechte Wirtschaft ...
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| Klaus-Peter Schöppner (59) ist Geschäftsführer
des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid. Der Öffentlichkeit
bekannt ist Schöppner durch TV-Sendungen bei „N 24“.
Außerdem schreibt er regelmäßig für namhafte
deutsche Tageszeitungen. |
Nie zuvor stand eine Regierung ein Jahr vor der Wahl so gut da – und
erhielt zugleich so schlechte Wähler-Werte. Arbeitslosigkeit
und Staatsverschuldung sind stark zurückgegangen, es gibt sogar
wieder mehr Geburten, aber die Union erreicht mit aktuell 36 Prozent
in der „Sonntagsfrage“ gerade mal den Wert von 2005. Und
die SPD mit 27 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis seit 1995.
Dafür aber stellen ausgerechnet die Wirtschaftsverweigerer der „Linken“ mit
13 Prozent unsere Parteienlandschaft auf den Kopf.
Es ist etwas Seltsames passiert in Deutschland: Das Wohl der Wirtschaft
hat ihre Wahlwichtigkeit verloren!
Jahrzehntelang galt auch hier, was der frühere US-Präsident
Bill Clinton mit dem berühmten Satz formulierte: „It’s
the economy, stupid!“ Frei übersetzt: „Geht’s
der Wirtschaft gut, dann geht’s auch den Bürgern gut.“ Doch
in
letzter Zeit hat sich im demoskopischen Befund eine Kluft herausgebildet:
Klare Mehrheiten erwarten weiterhin ein Wachstum der Wirtschaft, zugleich
aber Schwindsucht im eigenen Portemonnaie.
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| Lehrling in Deutschland: Im Ausbildungspakt konnte
die Wirtschaft zeigen, dass ihr das Gemeinwohl wichtig ist. Fotos:
Caro, TNS Emnid |
„Der Unternehmer
als Kümmerer“
Das liegt nicht so sehr an den Unternehmen. Die Mehrwertsteuer-Erhöhung
2007, die gestiegenen Energie- und Lebensmittelkosten und die ständige
Diskussion über weitere Abgaben-Erhöhungen bestärken viele
Deutsche in dem Gefühl, dass mit unserer guten alten
Sozialen Marktwirtschaft etwas nicht mehr stimmt. In diesem Umfeld tun
Meldungen über „Heuschrecken“, Management-Gehälter
und Kündigungen trotz hoher Gewinne ihr Übriges.
Wirtschaftsfreundliche Politik, so wird es wahrgenommen, macht bloß die
Großen noch reicher und die Kleinen noch ärmer. Man könnte
die Befindlichkeit auch so zusammenfassen: „Wir haben eine schlechte
Wirtschaft und wollen eine gute!“
Das Bild wird von den international operierenden Kapitalgesellschaften
geprägt, und deren Image ist schlecht. Der „Unternehmer“ ist
nicht mehr der im Betrieb präsente Inhaber und Kümmerer, sondern
der ferngesteuerte, glatte, gewinnmaximierende Anonymus.
Was folgt daraus für die Politik? Sie sollte erstens einen „New
Deal“ von wechselseitiger Verpflichtung entwickeln: Die Wirtschaft
bekommt bessere Bedingungen und schafft im Gegenzug mehr und sicherere
Jobs. Zweitens könnte eine stärkere Betonung der Inhaber-Unternehmen
Wirtschaftspolitik populärer, erfahrbarer und erfolgreicher machen.
Und drittens sollten Politik und Wirtschaft das Instrument der „freiwilligen
Vereinbarung“ ausbauen. Es kann zielführender sein als Gesetze,
wie der Ausbildungspakt von 2004 belegt. Auch die „Multis“ können so der Öffentlichkeit zeigen: Gemeinwohl ist für
sie ähnlich wichtig wie ökonomischer Erfolg. Das könnte
die Basis sein für eine Renaissance des Wirtschaftsansehens: das
Comeback der „guten Wirtschaft“. |