Früher in Rente gehen?
In dieser Firma kein Thema. Hier sind alte Hasen gern gesehen – weil sie gute Arbeit leisten
Über 60,
selbstbewusst, stark
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| Senior und Junior in der Chefetage: Firmenchef Manfred Diederichs (68) und Sohn Roman (35), der Prokurist von Dirostahl. Fotos: Roth (3) |
Hoch oben auf einem grünen Ungetüm sitzt Peter Radekopp. Mit einer gewaltigen Zange packt seine riesige Maschine, ein Manipulator, einen Stahlblock: 20 Tonnen schwer, 1.200 Grad heiß. Radekopp schiebt das rotglühende Stück Metall unter die Presse. Kraftvoll staucht
sie den Stahlblock wie ein
Stück Butter. Daraus werden Getriebewellen für Zementmühlen – geschmiedet bei der Karl Diederichs KG (Markenname „Dirostahl“).
Radekopp hat mit 14 Jahren bei der Remscheider Firma angefangen und gerade seinen 60. Geburtstag gefeiert. Hitze, Lärm und Schichtarbeit: „Ach was!“, winkt der robuste Senior ab. „Früher war es viel anstrengender. Damals machten wir fast alles per Hand, heute haben wir Maschinen.“
Altersteilzeit: Teuer,
aber kaum Nutzen
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| Wolfgang Abel schwört auf das gute Betriebsklima: „Wenn man gerne zur Arbeit geht, hält man länger durch.“ |
Bis 65 will er bleiben. Und wenn ihm danach das Hammerwerk fehlt, will er als Urlaubsvertretung einspringen. Man trennt sich bei Dirostahl eben nicht gern voneinander. 30 von den rund
480 Mitarbeitern sind über 60. Nur zwei von ihnen befinden sich in Altersteilzeit.
Und jetzt ist die staatlich geförderte Regelung wieder in der Diskussion, die dafür sorgen soll, dass alte Mitarbeiter jüngeren Arbeitslosen Platz machen. Doch in der Praxis funktioniert das kaum. Zuletzt wurde nur ein Fünftel der Altersteilzeitstellen mit einem Arbeitslosen besetzt. Und Altersteilzeit ist teuer. Die Bundesagentur für Arbeit gibt dafür mehr als 1,3 Milliarden Euro im Jahr aus. Dazu kommt: Viele Betriebe verlieren so einen Teil ihres Erfahrungsschatzes.
Der ist auch für die Firma Dirostahl enorm wichtig. Sie fertigt unter anderem Zahnräder, Lochscheiben und Getriebewellen. Zwar spürt auch sie die Krise. Doch Firmenchef Manfred Diederichs will die Belegschaft halten: „Damit wir im nächsten Aufschwung durchstarten können.“
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| Heißes Eisen im Feuer: Peter Radekopp will bis zur Rente bleiben. Hitze und Lärm sind für ihn kein Problem: „Früher war es viel anstrengender.“ |
Deshalb hält er auch an den Älteren fest. „Sie wegschicken – wieso? Ich will ihnen Lust auf Arbeit machen!“ Diederichs, bald 69 Lenze jung, setzt auf eingespielte Teams. Mit alten Hasen und jungen Hüpfern. Dirostahl hat 40 Lehrlinge, die vom Wissen der Senioren profitieren.
Manipulatorführer Radekopp. „Manchmal weiß ich etwas nicht, aber die jungen Leute schon. Und so läuft es auch schon mal umgekehrt.“
Seit 41 Jahren
im Betrieb
Und die Gesundheit? Die Senioren fehlen nicht häufiger als die Azubis; auf Firmenkosten dürfen Mitarbeiter bei Drachenboot-Rennen mitmachen – und im Training ihre Muskeln stählen. Das Wichtigste aber, meint Wolfgang Abel, der 62-jährige Meister im Presswerk, sei das gute Betriebsklima und die Zuversicht, dass der Job sicher ist: „Wenn man gerne zur Arbeit geht, hält man halt länger durch.“
Abel würde etwas fehlen, wenn er nicht jeden Tag acht Stunden im Betrieb wäre – wie seit 41 Jahren. Auch privat liebt er es beständig: Seit 35 Jahren spielt er in der gleichen Kegelmannschaft.
Matilda Jordanova-Duda |