Kippt die Konjunktur? Passt die Tarifforderung
der IG Metall noch in die Zeit?
Es droht wieder die Schattenseite
Die Konjunktur steht jetzt auf der Kippe – kein guter Zeitpunkt für hohe Lohnforderungen. Doch die Gewerkschaft von Deutschlands größtem Industriezweig Metall und Elektro
ignoriert die Warnhinweise.
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| Licht-Spiele: Über den
meisten M+E-Betrieben scheint die Konjunktur-Sonne. Noch. Schon zum Jahresende dürfte sich die Lage verschlechtern. |
Peter Müller sorgt sich. Ums Geschäft. Und um die Arbeitsplätze. „Ich kann nur hoffen, dass am Ende doch noch die Vernunft siegt“, sagt der Personalchef des Autozulieferers ElringKlinger im schwäbischen Dettingen an der Erms.
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| Warnstreik: Die IG Metall zieht mit der höchsten Forderung seit
16 Jahren in den Tarifkampf.
Fotos: Eifrig, ProLivePhoto, Werk (2) |
Die Sorge ist berechtigt: Denn ausgerechnet jetzt, da sich die Konjunktur eintrübt und wegen der Finanzkrise sogar eine weltweite Rezession nicht mehr auszuschließen ist, zieht die Gewerkschaft IG Metall mit der höchsten Lohnforderung seit 16 Jahren in den Tarifkampf. Was böse Erinnerungen weckt.
Damals, im Jahr 1992, befand sich Deutschland bereits mitten in einem Abschwung. Und auch damals schlug die IG Metall alle Warnungen in den Wind. Das Ergebnis war ein Tarifabschluss, der viele Metall- und Elektro-Betriebe (M+E) überforderte.
Job-Aufbau zum Stillstand gekommen
Die Folge: Von 1992 bis 1994 sank die Zahl der M+E-Mitarbeiter um fast 600.000 auf nur noch 3,38 Millionen!
Die Krise traf auch den Autozulieferer aus Dettingen, der vor allem Dichtungen herstellt. Müller: „Wir mussten Kurzarbeit anmelden und Leute entlassen.“ Nun befürchtet der Personaler, dass sich Ähnliches wiederholen könnte.
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| Montage beim Autozulieferer Elring-Klinger: Hier werden jetzt böse Erinnerungen an das Krisenjahr 1992 wach. |
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| Produktion einer Spinnanlage: Für den Maschinenbauer Trützschler sind die fetten Jahre vorbei. |
Die Alarmzeichen sind in der zu übersehen: Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen in ihrem Herbstgutachten im kommenden Jahr nur noch mit einem Wachstum von 0,2 Prozent. Im Frühjahr waren sie noch von einem Plus von 1,4 Prozent ausgegangen.
Inzwischen hat der Konjunkturabschwung auch die deutsche M+E-Industrie erfasst. Erstmals seit April 2006 ist der Jobaufbau zum Stillstand gekommen. Ein Grund ist die Angst vieler Unternehmen vor einem weltweiten Einbruch der Nachfrage.
Mittlerweile sind die Bestelleingänge der Branche den achten Monat in Folge gesunken. Und geht es dem Schwergewicht Metall und Elektro schlecht, hat das Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. Und damit indirekt auch auf zehntausende von Jobs in den anderen Wirtschaftszweigen.
Auto-Industrie:
Vollbremsung droht
Die Auto-Industrie hat bereits einen Gang runtergeschaltet. Manche Hersteller drosseln die Produktion, stellen für ein paar Wochen die Bänder ab. In den ersten neun Monaten 2008 gingen die Absatzzahlen der deutschen Marken in Europa zum Teil mehr als 10 Prozent zurück. Auch Zulieferer bauen bereits Kapazitäten ab.
Für den deutschen Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sind die derzeitigen Schwierigkeiten erst der Anfang. Die Krise sei nun
in Westeuropa angekommen, in den USA liege der Markt bereits „zerstört am Boden“. „Bei Herstellern und Zulieferen werden viele ihren Arbeitsplatz verlieren“, warnt Dudenhöffer. Es würde jetzt so schlimm wie seit 1973 nicht mehr. Damals kam es zur ersten Ölkrise.
Selbst im erfolgsverwöhnten Anlagenbau ist der Boom zum Teil schon wieder vorbei. So sind die Auftragseingänge bei den Textilmaschinenproduzenten in den ersten sieben Monaten 2008 um 42 Prozent gesunken. „Was die Branche jetzt erlebt, ist der schwerste Einbruch seit dem zweiten Weltkrieg“, heißt es im Branchenverband VDMA.
Unter Einbußen leidet auch Trützschler mit Stammsitz in Mönchengladbach. „Wir sind buchstäblich in ein Loch gefallen“, sagt Marketingchef Hermann Selker.
Derzeit verkaufen sich Anlagen für die Garnherstellung äußerst schlecht. Folge: Die Firma musste Kurzarbeit ansetzen – und sieht sich gezwungen, in Mönchengladbach 90 Jobs zu streichen. Denn auch 2009 Jahr sei keine Trendwende in Sicht, so Selker: „Dann wird es bei uns rote Zahlen geben.“
Joachim Sigel/Wilfried Hennes |