Dr. Heinz-Siegmund Thieler
zum Thema Renten
Mit Bildung gegen
Altersarmut
Haben auch Sie die Befürchtung, dass in Zukunft Ihr Alterseinkommen so gering ausfällt, dass Sie im Rentenalter von Armut betroffen sein könnten?
Derzeit wird die Diskussion um die Altersarmut mit spekulativen Katastrophenmeldungen geführt. Dabei ist Altersarmut kein dringendes gesellschaftliches Problem.
Was viele nicht wissen: Der Anteil der Bezieher von bedürftigkeitsorientierten Fürsorgeleistungen unter den älteren Menschen ist erheblich niedriger als im allgemeinen Bevölkerungsdurchschnitt!
Die jetzige Rentner-Generation hat nämlich ihre Erwerbsphase unter relativ günstigen ökonomischen Bedingungen zurückgelegt und konnte sich während des Erwerbslebens in aller Regel in ausreichendem Maße Rentenansprüche aufbauen.
Deshalb sind nicht etwa ältere Menschen, sondern Langzeitarbeitslose, Familien mit mehreren Kindern und insbesondere auch Alleinerziehende heute diejenigen Bevölkerungsgruppen, die in besonders starkem Maße von Armut betroffen sind.
Zwar sind auch Empfänger von Arbeitslosengeld in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert; wir wissen
aber, dass die für Bezieher von Arbeitslosengeld II von der Bundesagentur für Arbeit an die Rentenversicherung entrichteten Beiträge so gering sind, dass daraus nur
minimale Rentenanwartschaften entstehen können.
Hinzu kommt, dass die nicht sozialversicherungspflichtigen Formen der Erwerbsarbeit zunehmen – wie Tätigkeiten auf Basis von Honorar- und Werkverträgen oder Mini-Jobs. Das bedeutet, dass bei Personen, die über längere Zeit auf entsprechende Transferleistungen angewiesen sind, das Risiko der Altersarmut beträchtlich steigt.
Das bestätigt auch ein Blick auf die heutige Rentner-Generation: Personen mit besonders niedrigem Einkommen im Alter weisen rund zwei- bis dreimal so lange Zeiten
der Arbeitslosigkeit, einer geringfügigen Beschäftigung und einer selbstständigen Tätigkeit auf wie Menschen mit höherem Alterseinkommen. Das sind allesamt Zeiten, in denen nur geringe Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung flossen. Dies lässt den Schluss zu, dass in vielen Fällen nicht eine zu geringe gesetzliche Rente Grund für Armut im Alter ist, sondern das völlige Fehlen einer Absicherung in bestimmten Phasen des Erwerbslebens.
Es ergibt Sinn, eine Zunahme von Altersarmut dadurch zu vermeiden oder einzuschränken, indem ihre Ursachen beseitigt werden. Das ist auf jeden Fall besser, als eingetretene Altersarmut nachträglich durch Transferleistungen abzumildern. Eine
bloße nachträgliche Umverteilung zugunsten von Personen mit niedrigem Alterseinkommen macht es denen, die die Arbeitsmarktpolitik verantwortlich gestalten, zu leicht.
Nun wissen wir aber auch, dass insbesondere Bildungsdefizite den Eintritt und die Dauer von Arbeitslosigkeit beeinflussen.
Und genau an diesem Hebel müssen
wir ansetzen. Das gemeinsame Ziel der
politisch Verantwortlichen sollte daher
sein, qualifizierte Schul- und Ausbildung sowie Hochschulbildung zu fördern, kurzum: in eine
bessere Qualifikation zu
investieren.
Umverteilungsszenarien aus der linken Ecke haben demgegenüber erkennbar populistischen Charakter.
Heinz-Siegmund Thieler
ist Hauptgeschäftsführer
des
Unternehmerverbandes der Metallindustrie für Dortmund und Umgebung |