Bümi stellt hochpräzise Drehteile für den Weltmarkt her ? etwa für Ölförderanlagen: Blickpunkt Wirtschaft

Starkes Familienunternehmen

Bümi stellt hochpräzise Drehteile für den Weltmarkt her – etwa für Ölförderanlagen

Gevelsberg. Bernd Heine nimmt sich Zeit. Er arbeitet an der Grenze dessen, was sich auf einer Schleifmaschine herstellen lässt. Eine sechs Meter lange und fast zwei Tonnen schwere Pumpenwelle schleift er drei Tage lang auf einige Tausendstel Millimeter genau. Laufend misst er am rotierenden Werkstück mit der Messuhr nach: „Für mich ist es immer wieder faszinierend, aus einem rostigen Stück Metall ein hochpräzises glänzendes Bauteil zu machen.“

Sein Chef Frank Mittag weiß, was die Mitarbeiter leisten: „Maschinen kann man kaufen, aber gute Leute kriegt man nicht an jeder Ecke“, so der Geschäftsführer des Gevelsberger Familienunternehmens Bümi, das 72 Mitarbeiter beschäftigt.

Jeder dritte Betrieb will sein Personal aufstocken

Solche Erfahrungen machen derzeit viele andere deutsche Mittelständler auch. Deren Geschäfte laufen so gut wie seit Jahren nicht mehr, so eine neue Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. So gut, dass jeder zweite Betrieb Aufträge ablehnen muss. Weil Fachkräfte fehlen. 38 Prozent der Unternehmen gehen sogar davon aus, dass trotz bevorstehendem Brexit und der globalen Krisen das Geschäft in den nächsten Monaten noch weiter anziehen wird.

Um für zusätzliche Bestellungen gerüstet zu sein, will jeder dritte Betrieb sein Personal aufstocken. Was nicht leicht sein dürfte: Fast acht von zehn Mittelständlern gaben an, es falle ihnen schwer, genug qualifizierte Kräfte zu finden. Ein Ausweg: Eigenen Nachwuchs rekrutieren.

„Wollen wir in zehn Jahren noch erfolgreich am Markt sein, müssen wir in die Mitarbeiter investieren“, sagt denn auch Bümi-Geschäftsführer Mittag. Und das tut die Firma: Der Präzisionszerspaner bildet neun junge Leute aus. Somit ist jeder achte Mitarbeiter ein Azubi. Um die kümmert sich ein hauptamtlicher Ausbilder ganz exklusiv – selbst über die Ausbildungszeit hinaus. So gibt es einen eigenen Stammtisch, bei dem sich die ehemaligen Azubis treffen und austauschen.

Für Frank Mittag geht es dabei um mehr, als hervorragende Facharbeiter zu gewinnen: „Wir wollen die jungen Menschen zu Erwachsenen erziehen, die mit beiden Beinen im Leben stehen, und ihnen Werte vermitteln.“

In 1.500 Meter Tiefe kann man ein Bauteil nicht mal eben austauschen

Die Firma hat sogar zwei Ausbildungswerkstätten. In der einen üben die angehenden Metallbearbeiter im ersten Lehrjahr die Grundlagen, etwa drehen, fräsen und schleifen. Und ab dem zweiten Lehrjahr lernen sie in der anderen das Programmieren der CNC-Maschinen.

Da verwundert es nicht, dass das 1927 gegründete Unternehmen einen hervorragenden Ruf hat. „Wer hier arbeitet, der bleibt“, sagt Mittag.

Die Firma wächst. Sie erwirtschaftet pro Jahr 10 Millionen Euro Umsatz, vor zehn Jahren waren es erst 4 Millionen Euro. Beliefert werden Kunden in der ganzen Welt.

Auf Präzisionsdrehteile aus Gevelsberg vertrauen Großmaschinenbauer wie Liebherr, Siemens und Komatsu sowie der Autozulieferer ZF Friedrichshafen. Bolzen und Buchsen finden sich in Riesenbaggern in Minen rund um den Erdball. Flansche sichern Kranausleger in 100 Meter Höhe. Zapfen stecken im Fahrwerk des ICE 3, Steuerkolben in den Dampf- und Gasturbinen vieler Kraftwerke. Alle Bauteile haben eines gemeinsam: Fallen sie aus, wird es gefährlich und teuer. Manche müssen selbst in der Kälte der Arktis funktionieren.

Auch das ist ein Grund dafür, dass Bernd Heine sich für die Bearbeitung der Pumpenwelle an seinem 13 Meter langen Schleiftisch Zeit nimmt. Das Bauteil wird schon in wenigen Wochen in einer Unterwasserpumpe bei bis zu 1.500 Meter Tiefe einsam seinen Dienst tun, an einer Offshore-Ölförderanlage. Da unten ist niemand, der die Pumpe mal eben austauschen kann.

Tragende Säule der deutschen Wirtschaft

  • 90 Prozent der vier Millionen Betriebe hierzulande sind Familienunternehmen. Sie stellen mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze und erzielen im Schnitt fast 40 Prozent ihrer Umsätze im Ausland.
  • Unter den Firmen in Familienhand sind auch zahlreiche Großunternehmen – mit Weltrang, wie Bosch, Miele oder Dr. Oetker. Die 1.000 größten Firmen erwirtschaften laut Netzwerk „Die deutsche Wirtschaft“ einen Jahresumsatz von insgesamt 1,67 Billionen Euro – das sind 1.670.000.000.000 Euro.
  • Die meisten der Top 1.000 haben ihren Sitz in Nordrhein-Westfalen (270). Danach folgen Bayern und Baden-Württemberg mit jeweils rund 200 Unternehmen.

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Blickpunkt Wirtschaft April-Ausgabe 2017