Deutschlands neuer Astronaut: Matthias Maurer könnte bald zum Mond abheben: Blickpunkt Wirtschaft

Bemannte Raumfahrt und ihr Nutzen

Deutschlands neuer Astronaut: Matthias Maurer könnte bald zum Mond abheben

Geschafft: Von rund 8.500 Bewerbern war Matthias Maurer unter den besten zehn. Foto: Grothues

So richtig kann er es noch nicht fassen. Obwohl Matthias Maurer seit fast zehn Jahren darauf hinarbeitet, hat ihn die Nachricht übermannt: Der Saarländer wurde Anfang Februar in das Astronautencorps der Europäischen Weltraumorganisation ESA berufen. Jetzt kommt er seinem Ziel ein Stück näher. „Der Mond ist unglaublich spannend für mich“, sagt Maurer im Gespräch mit Blickpunkt.

Dass er tatsächlich einmal von da aus auf die Erde schaut, ist realistisch. Ab 2021 plant die US-Raumfahrtbehörde Nasa wieder eine bemannte Mondmission. Das erste Mal seit über 40 Jahren! Mit der Orion-Kapsel will die Organisation Astronauten auf den Mond befördern. Der Antrieb dafür kommt aus Deutschland. Mitte Februar wurde das sogenannte Service-Modul von Airbus Defence and Space in Bremen vorgestellt.

Was die Mondforschung außerdem zu bieten hat, weiß Astronaut Maurer ziemlich genau. Er ist promovierter Materialforscher und schon seit Jahren Mitarbeiter der ESA, wo er sich mit dem Erdtrabanten beschäftigt.

„Eine absolute Schlüsseltechnologie ist der 3-D-Druck. Er revolutioniert die Raumfahrt.“ So ist geplant, dass mit dieser Methode eine ganze Station auf dem Mond entsteht – und zwar aus Mondsand. Bereits heute lassen sich aus dem Material einzelne Bausteine drucken.

Die Verfahren, die dann entwickelt werden, fließen direkt in die Industrie für neue Anwendungen. So lassen sich beispielsweise Satelliten oder Landesysteme konzipieren und bauen. „Einige der weltweit besten Firmen, die 3-D-Drucker bauen, kommen aus Deutschland“, sagt der Experte.

Ein weiteres Gebiet, das die Mondforschung nach vorne bringen könnte, ist der Abbau des Rohstoffs Helium-3. Anders als auf der Erde ist er auf dem Erdtrabanten auffindbar. „Helium-3 könnte der mögliche Treibstoff für Fusionsreaktoren sein“, erklärt Maurer. Bereits heute wird mit Kernfusion experimentiert, um Energie zu gewinnen.

Vor allem ist der Mond eine wissenschaftliche Fundgrube, etwa beim Thema Radio-Astronomie.

Die Forschung braucht Nachschub an Gesteinsproben

„Einige hochinteressante Wellenlängenbereiche dieser Niedrig-Frequenz-Signale werden von der Erdatmosphäre rausgefiltert.“ Auf dem Mond aber lassen sie sich mit entsprechenden Teleskopen empfangen. „Sie können wichtige Daten über die Entstehung des Universums und des Sonnensystems liefern“, so Maurer.

„Und Gesteinsproben liefern Informationen, die uns abschätzen lassen, ob und wo es noch eine zweite Erde, also einen Planeten mit Leben geben könnte.“ Aufschluss geben heute schon Proben, die Astronauten in den 70er Jahren mitgebracht haben. Maurer: „Aber die Forschung braucht Nachschub.“


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Blickpunkt Wirtschaft April-Ausgabe 2017