Ex-Olymia-Zehnkämpfer Paul Meier tüftelt bei Witte an neuem Auto-Schließsystem: Blickpunkt Wirtschaft

Digitalisierung in der Autozulieferer-Branche

Ex-Olymia-Zehnkämpfer Paul Meier tüftelt bei Witte an neuem Auto-Schließsystem

Velbert. Medaillen sucht man im Büro von Paul Meier vergeblich. Dabei war der Ingenieur früher nicht nur ein guter Leichtathlet; er war einer der Weltbesten! Bei den Olympischen Sommerspielen 1992 in Barcelona wurde er Sechster im Zehnkampf und holte 1993 bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften Bronze.

Disziplin und Ausdauer braucht Meier auch heute, in seinem neuen Job bei Witte Automotive in Velbert, einem Spezialisten für Schließ-, Verriegelungs- und Sicherheitssysteme für Pkws. Der fast zwei Meter große Mann steckt voller Ideen und leitet seit dem letzten Jahr das Digitalisierungsgeschäft. Seine erste Herausforderung: Alle gängigen Automodelle so umrüsten, dass sie sich mit dem Smartphone öffnen lassen.

„Nicht aufgeben, sich hohe Ziele setzen – das prägt“, sagt Meier. Das Team aus derzeit elf Mitarbeitern ist mit seiner schwarzen Box auf der Zielgeraden. Sie soll Mitte des Jahres auf den Markt kommen.

Die Box, die im Wagen ans Stromsystem angeschlossen wird, kommuniziert mit einer Handy-App, und wie von Geisterhand entriegeln sich dann die Türen. Dieses Konzept soll Witte eine ganz neue Kundschaft erschließen. Das sind diesmal nicht die Autokonzerne, sondern Lieferdienste, Taxiunternehmen, Autohändler und -vermieter. Kurzum alle, die über eine Flotte mit verschiedenen Fahrzeugtypen verfügen.

„Mit der App kann man einfacher steuern, wer wann welches Auto fahren darf“, erklärt Meier. „Ob bei Mietautos, Probefahrten oder beim Schichtwechsel, die Schlüsselübergabe entfällt.“

Der Autoschlüssel steckt in einem Spezialfach der Box. Und so funktioniert’s: Man nähert sich dem Auto und gibt sich per Smartphone-App zu erkennen. Diese aktiviert den Entriegelungsknopf des Schlüssels. Die Türen gehen auf, der Fahrer steigt ein, entnimmt den Schlüssel und startet damit den Motor.

Einige Autohersteller haben zwar schon einen mobilen Zugang per App für ihre Carsharing-Wagen geschaffen. Doch beispielsweise große Autovermietungen hätten Interesse an einem System, das in allen gängigen Modellen läuft. Der Einbau dauert nur wenige Minuten, weil die Box nicht in die Bordelektronik eingreift. Das Thema Sicherheit wird großgeschrieben: Handy und Box kommunizieren miteinander per Bluetooth, also ohne Internetverbindung. Zudem werden die Daten verschlüsselt übertragen. Ein „guter Hacker“, so Meier, versuchte das System zu knacken – ohne Erfolg.

Erste Firmenwagen sind schon mit der Innovation unterwegs

„Was, Sie lassen den Schlüssel im Auto?“ Für Versicherungen ein heikles Thema. Meiers Team klärt diese Vorbehalte gerade ab. „So ein Produkt haben sie ja noch nie gesehen.“

Im Labor wird die Box für den Praxiseinsatz hart rangenommen: 100.000 Mal auf und wieder zu, bei Hitze, Kälte und Feuchtigkeit. Einige Firmenwagen der Velberter sind schon mit der Box unterwegs.

„Mein Arbeitstag ist voller Überraschungen, weil wir hier etwas ganz Neues entwickeln“, so der Ingenieur. „Ich bin aber kein Nerd. Zu Hause bin ich nur Smartphone-Nutzer“, sagt der dreifache Vater.

Vom sportlichen Ehrgeiz hat sich der 45-Jährige zwar inzwischen verabschiedet. „Abends reicht mir ein Spaziergang mit dem Hund an der frischen Luft.“ Als ehrenamtlicher Präsident des deutschen Zehnkampf-Teams setzt er sich jedoch für den Nachwuchs ein: „Engagement finde ich immens wichtig, wo auch immer.“

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich bin gelernter Werkzeugmacher. Die Technik fand ich spannend, strebte aber nach Höherem. Deshalb habe ich Fachabi gemacht und Maschinenbau studiert.

Was reizt Sie am meisten?

Die Vielseitigkeit im Job, obwohl ich mir manchmal etwas mehr Routine wünsche.

Worauf kommt es an?

Man muss offen für Überraschungen sein, aber auch eine ordentliche Portion Durchhaltevermögen haben. Wenn man Dinge vorantreibt, zeigt sich der Weg.


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Blickpunkt Wirtschaft Mai-Ausgabe 2017