Malta lockt: Warum die südwestfälische Heizelemente-Firma Hotset auch im Ausland fertigt: Blickpunkt Wirtschaft

Globalisierung und M+E-Mittelstand

Malta lockt: Warum die südwestfälische Heizelemente-Firma Hotset auch im Ausland fertigt

Lüdenscheid. Der Job von Dilek Celebi ist nichts für Grobmotoriker. Mit ruhiger Hand fädelt sie hauchdünne Drähtchen in lange, zerbrechliche Keramikröhrchen ein: „Dafür braucht man sehr viel Fingerspitzengefühl und ein gutes Auge“, sagt die türkischstämmige Deutsche. Feine Drähte, luftdicht eingepackt in Keramik, mit einer Außenhülle ummantelt – im Prinzip ist die Heizpatrone fertig. Celebi arbeitet bei der Lüdenscheider Firma Hotset, die auf Heizelemente für die industrielle Anwendung spezialisiert ist. Und dank der Globalisierung ist der Arbeitsplatz von Dilek Celebi sicher.

Heizelemente verschweißen Gummibärchen-Tüten

Was die zunehmende internationale Vernetzung der Wirtschaft hier konkret bedeutet, macht Ralf Schwarzkopf deutlich. Seit 2002 leitet er in zweiter Generation das Mitte der 70er Jahre gegründete Familienunternehmen. Er meint, dass der südwestfälische Mittelständler ohne den „mutigen Weg in die Internationalisierung“ heute lange nicht so gut dastehen würde: „Die Firmen aus der Region, die nicht im Ausland produzieren, sind geschrumpft oder nicht mehr am Markt.“ Der Schritt zur Internationalisierung habe in seinem Unternehmen alle Arbeitsplätze gesichert.

Vor 15 Jahren gab es nur das Stammhaus Lüdenscheid mit 200 Mitarbeitern. Seither sind zwei Produktionsstandorte auf Malta und im US-Bundesstaat Georgia hinzugekommen – mit weiteren 200 Beschäftigten sowie eigenen Vertriebsbüros in Singapur, China und Indien. Jahresumsatz: 35 Millionen Euro. Schwarzkopf: „Wir gehen dahin, wo die weltweiten Maschinenbauer und Kunststoffverarbeiter sitzen. Denn die benötigen unsere Heizelemente.“

Sie lassen damit Material wohltemperiert in Formen fließen: Heizelemente von Hotset verschweißen Tüten mit Gummibärchen ebenso wie die Folien auf Joghurtbechern oder die Banderolen um Geldscheinstapel. Und sie finden sich auch in der Produktion von Brennstoffzellen und Platinen sowie bei der Windelherstellung. Hotset zeigt beispielhaft, wie stark die Metall- und Elektro-Industrie (M+E) inzwischen global aktiv ist. 2016 lag der Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz bundesweit bei 56 Prozent; in NRW waren es 51 Prozent. Zugleich werden eigene Fabriken im Ausland wichtiger.

Das machen die Direktinvestitionen in der Ferne deutlich: Betrug der ausländische Investitionsbestand der deutschen M+E-Industrie 1995 nach Angaben der Bundesbank 37 Milliarden Euro, waren es 2014 (neueste Zahl) 195 Milliarden. Mittlerweile steuern die Auslandswerke ein Fünftel zum Gewinn der Branche bei. Zum einen erschließen sich die Unternehmen auf diese Weise neue Märkte, die sich über Ausfuhren nicht ausreichend bedienen lassen. Zum anderen können sie von zum Teil spürbar niedrigeren Arbeitskosten profitieren.

Und dennoch: Die Globalisierung hilft, Jobs daheim zu sichern. Seit 2000 stieg die Zahl der Beschäftigten in der deutschen M+E-Industrie um mehr als 300.000 auf 3,8 Millionen. Allerdings profitiert NRW davon nicht so stark wie andere Regionen.

Hotset hatte gute Gründe, auf der Mittelmeerinsel Malta zu investieren. Sie ist ein „sicherer und attraktiver Wirtschaftsstandort“ mit günstigen Arbeitskosten und mit kurzen Wegen zu den wichtigen Entscheidungsträgern: So wirbt Germany Trade & Invest, die bundeseigene Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing, für den Mini-Staat südlich von Sizilien.

Mitarbeiter rechtzeitig mit ins Boot genommen

Gute Erfahrungen hat auch Hotset gemacht, schon beim Aufbau der Produktion. Firmenchef Schwarzkopf: „Das ist extrem unkompliziert auf Malta. Man stellt einem ein fertiges Gebäude zur Verfügung, das man nach seinen Wünschen einrichten kann.“

Als das Unternehmen 2004 ankündigte, ein Werk auf der Insel zu errichten, fürchteten zunächst viele Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz: „Aber wir haben offen kommuniziert“, erinnert sich Schwarzkopf, „und damit Vertrauen geschaffen.“

Dilek Celebi denkt kurz nach bei der Frage, ob sie denn damals Angst gehabt habe vor den Globalisierungsplänen ihres Arbeitgebers. Ihre Antwort ist bestimmt: „Nein. Warum auch, denn ich habe ja selbst internationale Wurzeln!“


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