30.000 Kubikmeter hoch radioaktiver Atommüll: Die große Suche nach dem Endlager: Blickpunkt Wirtschaft

Strahlendes Erbe der Kernenergie

30.000 Kubikmeter hoch radioaktiver Atommüll: Die große Suche nach dem Endlager

Experten sprechen von dem schwierigsten Infrastrukturprojekt der deutschen Geschichte: die Suche nach einem Endlager für den Atommüll deutscher Kernkraftwerke.

Mehr als drei Jahrzehnte galt der Salzstock Gorleben im niedersächsischen Wendland als einzige Option in Deutschland, um die hoch radioaktiven Abfälle für die Ewigkeit zu lagern. Er diente als Erkundungsbergwerk.

Jetzt hat die Große Koalition mit Zustimmung der Grünen das „Standortauswahlgesetz“ verabschiedet, nach dem die Suche bei null beginnt. Keine Region ist tabu. Als geologische Formationen kommen Salz, Ton und kristallines Gestein wie Granit infrage. Und die gibt es nicht nur in Gorleben.

Es ist ein Kraftakt. „Weil der Prozess sowohl den Sicherheitsanforderungen des Bergbaus als auch denen des Strahlenschutzes gerecht werden muss und die Technik komplex ist“, erklärt Professor Klaus-Jürgen Röhlig vom Institut für Endlagerforschung an der TU Clausthal. Zudem muss der Müll 500 Jahre lang „bergbar“ sein, falls unvorhersehbare Ereignisse eintreten oder die Wissenschaft neue Erkenntnisse bringt. Es geht immerhin um 30.000 Kubikmeter hoch radioaktive Stoffe.

Das Mammutprojekt Rückbau und Endlagerung soll 23,5 Milliarden Euro kosten. Stemmen müssen das die vier großen Stromkonzerne, die an einen staatlichen Fonds zahlen. Bis zum Jahr 2031 soll ein Endlager gefunden worden sein, das spätestens 2051 in Betrieb geht. „Die Agenda ist sportlich“, sagt Röhlig. „Schließlich geht es ja nicht nur um die technische Umsetzung. Die Entscheidung muss auch in der Gesellschaft akzeptiert werden. Das kostet Zeit. In Gorleben hat das ja überhaupt nicht funktioniert.“

Erstmals ein breiter Konsens

Die 1979 begonnene Erkundung des Salzstocks führte zu massiven Protesten, wurde ein paarmal unterbrochen und schließlich beendet. Das macht deutlich, wie sensibel dieses Thema hierzulande ist. „Ganz anders verlief der Prozess beispielsweise in Finnland“, so Röhlig. „Da gab es einen harten Wettbewerb der Kommunen um den Endlagerstandort. So etwas ist hier undenkbar.“

Schließlich bringt ein Endlager viel Geld in die Region.

Wie die Suche in Deutschland ausgeht, weiß noch niemand. „Aber es ist schon mal sehr bemerkenswert, dass es erstmals einen breiten Konsens gibt“, so Röhlig. An dem Gesetzentwurf hatten Politiker, Umweltverbände, Vertreter der Energiebranche, Wissenschaftler und Bürger jahrelang gefeilt. „Das ist eine große Chance für dieses Projekt“, so der Wissenschaftler.

Und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat versprochen: „Wir beziehen die Öffentlichkeit in jeder Stufe des Verfahrens ein.“

Der nächste historische Schritt aber steht im Jahr 2022 bevor: Dann geht das letzte deutsche Kernkraftwerk vom Netz.


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Neueste ArtikelBeliebteste Artikel

Blickpunkt Wirtschaft Mai-Ausgabe 2017