Digitalisierung: Gebäudetechnik-Firma Jung macht vor, wie Industrie 4.0 funktioniert: Blickpunkt Wirtschaft

Mensch und Roboter ganz nah

Digitalisierung: Gebäudetechnik-Firma Jung macht vor, wie Industrie 4.0 funktioniert

Lünen. Barbara Pykas Kollege ist ein smarter Typ. Extrem zuverlässig, lautlos, elegant in der Bewegung. Und geradezu übermenschlich präzise sieht es aus, wenn er seinen Job erledigt. Der Kollege ist nicht aus Fleisch und Blut. Sondern aus Stahl – ein Roboter.

Für Barbara Pyka ist er mehr als ein Hilfsmittel, schon eher ein Partner, mit dem sie sich bei der Firma Jung in Lünen Aufgaben teilt, ohne störende Abtrennung. Jetzt gerade bei der Montage von Netzteilen für ein „Smart Radio“, das beim Kunden perfekten Rundfunkempfang im ganzen Haus garantiert. Und sich mit seinem flachen Design nahtlos in edles Wohnambiente einfügen lässt.

Vom wuchtigen Lichtschalter zum Internet der Dinge

Das „Smart Radio“ ist nur eines von Tausenden Produkten, die das Unternehmen (1.200 Mitarbeiter weltweit, 300 in Lünen) herstellt. Das Fertigungsprogramm reicht von der Steckdose bis zum Steuerungssystem für die komplette Gebäudetechnik.

Schaut man sich die Geschichte des 1912 gegründeten Familienunternehmens an, spiegelt sich darin deutsche Industriehistorie eins zu eins wider. Von den Anfängen mit wuchtigen Lichtschaltern vor mehr als 100 Jahren bis in die Gegenwart, in der es um die großen Schlagworte des digitalen Zeitalters geht: Smart Home, Internet der Dinge, Industrie 4.0.

Für Werkleiter Dirk Wettlaufer sind das nicht bloß Worthülsen. „Wir arbeiten hier seit drei Jahren an der Industrie 4.0“, sagt er und meint Arbeitsplätze wie den von Barbara Pyka, an dem Mensch und Roboter gemeinsam am selben Ort arbeiten – ohne Käfig oder Lichtschranke.

Ist hier die digitale Revolution also schon Alltag? Marketingleiter Deniz Turgut kann über die allgegenwärtigen Parolen wie die vom total vernetzten Haus nur milde lächeln. „Smart Home? Das bieten wir hier seit 20 Jahren an.“ Turgut spielt damit auf das Bus-System „KNX“ an, mit entwickelt von Jung und vier weiteren deutschen Unternehmen vor einem Vierteljahrhundert.

Seither hat sich KNX zum weltweiten Standard bei der Gebäudesystemtechnik gemausert. Und heute soll es zum Inbegriff des „intelligenten Wohnens“ werden, weil es die wichtigsten Talente dafür längst besitzt: Ob bei stärkerem Wind Jalousien sich automatisch schließen, ob Beleuchtung zentral gesteuert wird oder sich im Brandfall Schutztüren schließen – KNX kann das professionell.

So smart das Produkt, so smart muss auch die Produktion sein. „Es ist ein Versprechen der Inhaberfamilie, dass wir wirklich ,Made in Germany‘ machen“, sagt Werkleiter Wettlaufer. Schon vor über zehn Jahren habe man in Lünen angefangen, die Produktion zu verschlanken.

Es gehe aber nicht darum, den Menschen zu ersetzen, sondern im Gegenteil die Industriearbeitsplätze in Deutschland zu halten. Konkret: Die Fertigung geht immer schneller, das Umrüsten einer Maschine dauert nicht mehr so lang. Und da fallen auch die Grenzen zwischen Mensch und Maschine – wie eben am Arbeitsplatz von Barbara Pyka.


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